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Politik 24.02.2026, 02:03 Aktualisiert: 24.02.2026, 15:02

Staatsakt für Rita Süssmuth: Würdigung einer liberalen Ausnahmepolitikerin

Rita Süssmuth wurde mit einem Trauerstaatsakt im Bundestag gewürdigt.

Wichtige Fakten

  • Rita Süssmuth wurde mit einem Trauerstaatsakt im Bundestag gewürdigt.
  • Sie setzte sich für Frauenrechte, Aids-Prävention und Zuwanderung ein.
  • In der CDU blieb sie eine liberale Außenseiterin, die nie die Partei verließ.
  • Der Frauenanteil in der Unionsfraktion sank von 23,8% (2021) auf 22,6%.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz nannte sie eine ihrer Zeit voraus gewesene Politikerin.

Würdigung einer Ausnahmepolitikerin

Die verstorbene ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth wurde mit einem Trauerstaatsakt im Bundestag gewürdigt, bei dem Spitzenpolitiker ihre prägende Rolle für die Bundesrepublik hervorhoben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete sie als Politikerin, die ihrer Zeit weit voraus gewesen sei, insbesondere in Familien- und Arbeitsmarktpolitik zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner betonte, dass Süssmuth gesellschaftliche Debatten früher erkannte als andere und keine Tabus scheute, auch nicht bei Gegenwind aus den eigenen Reihen.

Politische Kämpfe und Erfolge

Süssmuth, die als liberale Ausnahmeerscheinung in der CDU galt, kämpfte zeitlebens für Frauenrechte, Minderheiten und eine wissenschaftsbasierte Aids-Prävention, die Betroffene nicht stigmatisierte – im Gegensatz zu CSU-Politiker Peter Gauweiler, der für Zwangstests eintrat. Sie setzte sich gegen Widerstände für die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe ein und leitete die Zuwanderungskommission, die zum ersten Zuwanderungsgesetz führte. Trotz innerparteilicher Konflikte, etwa als Kohl-Gegnerin in den 1980er Jahren, verließ sie die CDU nie und blieb eine mutige, unbequeme Stimme.

Vermächtnis und aktuelle Herausforderungen

Ihr politisches Vermächtnis hinterlässt die Sorge um den geringen Frauenanteil in der Union, der aktuell bei 22,6% liegt und damit weiter gesunken ist. Süssmuth forderte Parität in politischen Ämtern, lehnte aber verbindliche Quoten ab und betonte die Rolle „kluger, zukunftsbezogener Männer“ für Fortschritt. Der Publizist Heribert Prantl, den sie als Redner beim Staatsakt wünschte, würdigte sie als „Möglichmacherin“, die Unmögliches möglich machte und stets die Würde der Menschen in den Mittelpunkt stellte.

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