Ungleichheit kostet über 100.000 Hitzetote in Europa jedes Jahr
Wichtige Fakten
- • Jährlich über 100.000 zusätzliche Kälte- und Hitzetote durch Ungleichheit.
- • Reduktion von Ungleichheit senkt Todesfälle bei extremen Temperaturen um 30 %.
- • Wohlhabendere Regionen haben weniger Kältetote, aber mehr Hitzetote.
- • Erderwärmung: Europa erwärmt sich seit 1990er Jahren um 0,56 °C pro Jahrzehnt.
Hintergrund der Studie
Wirtschaftliche Ungleichheit in Europa fordert einen hohen Tribut: Laut einer Studie, veröffentlicht im Fachjournal, führt sie jedes Jahr zu mehr als 100.000 zusätzlichen Todesfällen durch Hitze und Kälte. Würde man die Ungleichheit auf das Niveau der gleichsten Region Europas senken – gemessen am Gini-Index – könnten 109.866 Leben pro Jahr gerettet werden. Die Ergebnisse basieren auf täglichen Sterblichkeitsdaten aus 654 europäischen Regionen (2000–2019) und modellieren „zuzuschreibende Todesfälle“ basierend auf verschiedenen ökonomischen Faktoren.
Einfluss von Armut und Strukturen
Besonders hohe Todeszahlen durch extreme Temperaturen sind mit Armut, mangelnder Heizmöglichkeiten und sozialer Benachteiligung verknüpft. Eine Verringerung von materieller und sozialer Entbehrung auf das Niveau der Zentral-Schweiz, der am wenigsten benachteiligten Region Europas, würde 59.000 Todesfälle weniger bedeuten. Wohlhabendere Regionen haben hingegen weniger Kältetote – bedingt durch bessere Isolierung, Gesundheitsversorgung und geringere Energiearmut –, aber mehr Hitzetote, vermutlich wegen des urbanen Wärmeinsel-Effekts.
Aktueller Klima-Hintergrund
Die Studie erscheint nach dem drittwärmsten April seit Aufzeichnungsbeginn und der Rückkehr von El Niño, der einen heißen europäischen Sommer 2026 befürchten lässt. Wissenschaftler warnen: Europa erwärmt sich mit 0,56 °C pro Jahrzehnt seit den 1990er Jahren – schneller als jeder andere Kontinent. Kälte ist derzeit noch die größere Gesundheitsgefahr, doch durch die globale Erhitzung könnte sich das Verhältnis umkehren. EU-Wissenschaftler kritisieren, dass Kontinent sich nicht ausreichend an den Klimawandel anpasst.
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