António José Seguro (Sozialistische Partei, PS) liegt nach der ersten Runde der portugiesischen Präsidentschaftswahl laut Wahlbehörde CNE mit gut 31 Prozent vorn (teils wird bei vollständiger Auszählung 31,1 Prozent genannt).
André Ventura (Chega) kommt nach Auszählung von mehr als 99 Prozent der Wahlbezirke auf 23,5 Prozent und zieht damit als Zweitplatzierter in die Stichwahl ein.
Eine Stichwahl wird nötig; sie ist laut bisherigen Angaben für den 8. Februar angesetzt.
Chega wurde vor rund sechs Jahren gegründet und war im Mai des Vorjahres bereits zur zweitstärksten Kraft im Parlament in Lissabon geworden.
Umfragen sehen Ventura in der Stichwahl im Nachteil: Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, ihn in einer Stichwahl auf keinen Fall wählen zu wollen.
Der Politikwissenschaftler António Costa Pinto (Universität Lissabon) sagte, Ventura kandidiere vor allem, um seine Wählerbasis zu halten; sein langfristiges Ziel sei demnach das Amt des Regierungschefs.
Rund elf Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, einen Nachfolger für Präsident Marcelo Rebelo de Sousa zu wählen, der nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht erneut kandidieren darf.
Der portugiesische Präsident hat keine exekutiven Befugnisse, kann aber in Krisenzeiten das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen, ein Veto einlegen oder den Ministerpräsidenten entlassen.
Erstmals seit 1986 wird bei einer portugiesischen Präsidentschaftswahl wieder eine Stichwahl erforderlich.
Ausblick
"Alles deutet auf eine Stichwahl zwischen Seguro und Ventura hin. Trotz Venturas starkem Ergebnis gilt er laut Umfragen weiterhin als klarer Außenseiter, da eine breite Mehrheit der Befragten ihn in einer zweiten Runde ablehnt. Entscheidend wird sein, ob es Ventura gelingt, über die eigene Chega-Basis hinaus Wähler zu mobilisieren."