Bauwirtschaft in der Krise: Fehlende Wohnungen und schwache Nachfrage
Wichtige Fakten
- • Laut Pestel-Institut fehlen in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen.
- • 2025 wurden nur 235.000 neue Wohnungen fertiggestellt, deutlich unter dem Ziel.
- • Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen im ersten Quartal nur um 0,5 Prozent.
- • Der Iran-Krieg treibt Energiepreise und gefährdet die Baukonjunktur.
- • Das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro ist noch nicht in Bauprojekten angekommen.
Bauwirtschaft in der Zwickmühle
Die deutsche Bauwirtschaft steckt trotz milliardenschwerer staatlicher Hilfsprogramme weiterhin in einer tiefen Krise. Dies wurde beim Tag der Bauindustrie in Berlin deutlich. Zwar stiegen die Baugenehmigungen im Januar und Februar 2026 um 16 Prozent, und auch im Gesamtjahr 2025 wurden erstmals wieder mehr Wohnungen genehmigt. Doch die Stimmung in der Branche bleibt schlecht, wie eine ifo-Umfrage im März zeigt. Grund sind neben gestiegenen Energiepreisen infolge des Iran-Krieges die Sorge vor weiter steigenden Zinsen und anhaltendem Materialmangel.
Kaum Wirkung von Sondervermögen und Bau-Turbo
Das im vergangenen Jahr beschlossene Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, das in Infrastruktur und Klimaschutz fließen soll, ist in der Bauwirtschaft bislang kaum angekommen. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller kritisiert, das Geld sei nur auf dem Papier vorhanden, aber nicht in konkreten Projekten. Auch der sogenannte Bau-Turbo, der Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen soll, zeigt noch keine durchschlagende Wirkung. Ökonom Michael Voigtländer vom IW spricht von einem „stotternden“ Turbo und verweist auf Widerstände in der Bevölkerung sowie zu langsame Reformen.
Wohnungsnot und differenzierte Preisentwicklung
Laut Pestel-Institut fehlen aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen. Um das Defizit bis 2030 abzubauen, wären jährlich 400.000 Neubauten nötig – eine Marke, die die Bundesregierungen nie erreichten. 2024 waren es 250.000 Neubauten, 2025 nur noch 235.000. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen im ersten Quartal 2026 nur um 0,5 Prozent, inflationsbereinigt sanken sie sogar leicht. Einfamilienhäuser verteuerten sich dagegen um 3,2 Prozent. In den Großstädten zeigte sich ein gemischtes Bild: Leipzig verzeichnete ein Plus von 2,5 Prozent, während die Preise in Frankfurt und Stuttgart fielen.
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