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Wirtschaft 07.05.2026, 08:49 Aktualisiert: 07.05.2026, 10:01

Bauwirtschaft: Stotternder Bau-Turbo trotz Schuldenpaket

Baugenehmigungen stiegen 16% (Jan-Feb 2026).

Wichtige Fakten

  • Baugenehmigungen stiegen 16% (Jan-Feb 2026).
  • Es fehlen 1,4 Mio. Wohnungen in Deutschland.
  • Bau-Turbo und Sondervermögen wirken kaum.
  • Stimmung im Wohnungsbau verschlechterte sich März 2026.

Bauindustrie zwischen Hoffen und Bangen

Die deutsche Bauwirtschaft steckt in einer Schwächephase – trotz der jüngsten Milliardenschulden für Infrastruktur und dem sogenannten Bau-Turbo. Bei einer Branchentagung in Berlin zeigte sich die Industrie verhalten: Zwar stiegen die Baugenehmigungen im Januar und Februar 2026 um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, doch die tatsächliche Umsetzung hinkt hinterher. Der Iran-Krieg treibt über die Sperrung der Straße von Hormus die Energiepreise, was Materialengpässe und Inflationssorgen schürt. Das ifo-Institut meldete im März sogar eine Eintrübung der Geschäftslage im Wohnungsbau.

Sondervermögen und Bau-Turbo mit begrenzter Wirkung

Das im April 2025 beschlossene Sondervermögen von 500 Milliarden Euro sowie der Oktober 2025 eingeführte Bau-Turbo – etwa mit vereinfachten Bebauungsplänen – haben bislang kaum positive Effekte gezeitigt. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie beklagt, dass die Gelder noch nicht in konkreten Aufträgen angekommen seien. Auch Ökonomen vom IW sehen den Turbo noch stottern, da Planungs- und Finanzierungsfragen weiter blockieren. Erschwerend kommen Bürgerwiderstand gegen Bauflächen und die langsame Reform von KfW-Programmen hinzu.

Großer Wohnungsmangel

Laut Pestel-Institut fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen. Um dieses Defizit bis 2030 zu decken, wären jährlich über 400.000 Neubauten nötig – doppelt so viele wie die rund 235.000 im vergangenen Jahr. Die IG Bau warnt vor einem Anstieg der Wohnarmut, da viele Rentner mit kleiner Rente kaum noch Mieten zahlen können. Immerhin: Die Preise für Eigentumswohnungen legten im ersten Quartal nur um 0,5 Prozent zu, statistisch inflationsbereinigt sogar leicht rückläufig.

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