Teilen:
Wissen 01.08.2026, 05:52

Brasilien züchtet Wolbachia-Mücken im Kampf gegen Dengue

Brasilien züchtet wöchentlich 190 Millionen Wolbachia-Mücken.

Wichtige Fakten

  • Brasilien züchtet wöchentlich 190 Millionen Wolbachia-Mücken.
  • Wolbachia-Bakterium verhindert Dengue-Übertragung auf Menschen.
  • Dengue-Fälle in Testregionen um 60-70% gesunken.
  • Auch Zika und Chikungunya werden reduziert.
  • 2024 gab es über 6 Millionen Dengue-Fälle in Brasilien.

Kampf gegen Dengue

Brasilien verstärkt den Kampf gegen Dengue-Fieber durch die Zucht spezieller Mücken. In einer als „Mückenfabrik“ bezeichneten Anlage in Campinas nahe São Paulo werden Gelbfiebermücken gezüchtet, die ein Bakterium namens Wolbachia in sich tragen. Dieses Bakterium besiedelt die Stellen im Insekt, an denen sich sonst Dengue-Viren vermehren, und reduziert so die Viruslast. Die von dem Unternehmen Flyttr betriebene Fabrik produziert wöchentlich bis zu 190 Millionen Mückeneier, die in Kartons verpackt und per Post nach ganz Brasilien und sogar ins Ausland verschickt werden. Die Empfänger können die Eier mit Wasser übergießen, sodass sie zu „Mini-Mückenfabriken“ werden.

Die Methode wurde maßgeblich von dem Wissenschaftler Luciano Moreira entwickelt und 2012 erstmals in Testprojekten eingesetzt. Nach erfolgreichen Versuchen in mehreren Städten erteilte die brasilianische Gesundheitsbehörde die Genehmigung zur Massenproduktion. In Testregionen rund um Rio de Janeiro sank die Zahl der Dengue-Erkrankungen nach dem Aussetzen der Wolbachia-Mücken um 60 bis 70 Prozent. Auch andere durch diese Mücken übertragbare Krankheiten wie Zika und Chikungunya gingen zurück. Ein zusätzlicher Effekt ist, dass die Weibchen das Bakterium an ihre Nachkommen vererben, wodurch die Population der unschädlichen Mücken natürlich wächst.

Brasilien verzeichnet regelmäßig hohe Dengue-Fallzahlen; im Negativ-Rekordjahr 2024 gab es über sechs Millionen wahrscheinliche Fälle und mehrere tausend Tote. Das Land setzt daher auf die Ausweitung des Programms: Neben der Fabrik in Campinas gibt es eine weitere staatlich unterstützte Anlage in Curitiba, die ebenfalls mehr als 100 Millionen Mücken pro Woche produzieren kann. Beide Einrichtungen kooperieren, da der Bedarf groß ist.** Ein besonderer Vorteil des Projekts ist seine Umweltfreundlichkeit: Es werden keine Insektizide eingesetzt, und die Mücken werden nicht ausgerottet, sondern lediglich zu schlechteren Krankheitsüberträgern gemacht.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.