Deutsche Justiz kämpft mit Rekord an offenen Strafverfahren
Wichtige Fakten
- • Erstmals über 1 Million offene Strafverfahren in Deutschland
- • Anstieg von 700.000 auf über 1 Million in fünf Jahren
- • 50 dringend Tatverdächtige 2025 wegen Verfahrensdauer freigekommen
- • Nur 13% der Ermittlungen führen in Brandenburg zu Anklagen
- • Bund-Länder-Streit um Finanzierung von 2.000 zusätzlichen Juristen
Rekordzahl offener Verfahren
Die deutsche Justiz verzeichnet einen negativen Rekord: Erstmals hat die Zahl unerledigter Strafverfahren laut Deutschem Richterbund Ende 2025 die Marke von einer Million überschritten – ein Anstieg von 700.000 innerhalb von fünf Jahren. Der Bundesgeschäftsführer des Richterbundes, Sven Rebehn, warnt, dass Staatsanwaltschaften ohne zusätzliches Personal den wachsenden Verfahrensberg nicht mehr bewältigen können.
Folgen für die Strafverfolgung
Die Überlastung führt dazu, dass Verfahren zunehmend wegen Geringfügigkeit eingestellt oder mutmaßliche Straftäter aus der Untersuchungshaft entlassen werden müssen. Recherchen der Deutschen Richterzeitung zufolge kamen im vergangenen Jahr 50 dringend Tatverdächtige – darunter bei Vergewaltigungs-, Körperverletzungs- oder Tötungsdelikten – wegen zu langer Verfahrensdauer frei. In Brandenburg führen nur 13 Prozent der Ermittlungen gegen bekannte Beschuldigte tatsächlich zu Anklagen.
Ursachen und Forderungen
Juristen führen die Krise auf Personalmangel und veraltete Digitalisierung zurück. Während ein neuer Rechtsstaatspakt zwischen Bund und Ländern 2.000 zusätzliche Richter und Staatsanwälte finanzieren könnte, stockt die Umsetzung an finanziellen Streitigkeiten. Gleichzeitig behindern komplexe Verfahren wie Kinderpornografie-Ermittlungen die Justiz, da digitale Werkzeuge fehlen und jede manuelle Bearbeitung am Limit erfolgt.
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