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Gesellschaft 09.04.2026, 09:43

Die Tekkal-Schwestern: Vom Jesidentum zum weltweiten Menschenrechtsaktivismus

Fünf kurdisch-jesidische Schwestern aus Hannover gründeten die Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help.

Wichtige Fakten

  • Fünf kurdisch-jesidische Schwestern aus Hannover gründeten die Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help.
  • Der Genozid an Jesiden 2014 durch den IS war ein Wendepunkt für ihre Aktivitäten.
  • Tuğba Tekkal erhielt 2024 das Bundesverdienstkreuz für ihr Fußballprojekt 'Scoring Girls*'.
  • Die Schwestern nahmen an einer UN-Vollversammlung teil und trafen Amal und George Clooney.
  • Ihr Buch 'Wut und Wärme' porträtiert ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und gemeinsamen Werte.

Von Hannover in die Welt

Die fünf Tekkal-Schwestern – Düzen, Tezcan, Tuğba, Tuna und Tülin – sind als Aktivistinnen für Menschenrechte bekannt, die von Hannover aus weltweit wirken. Als Töchter kurdisch-jesidischer Geflüchteter sehen sie ihren Aktivismus als alternativlos an. Düzen Tekkal, Journalistin und Kriegsreporterin, wurde 1978 als erstes Familienmitglied in Deutschland geboren und betont, dass die Politik ihnen 'in die Wiege gelegt' wurde, da ihr Vater bereits nach der Ankunft in Deutschland Menschenrechtsarbeit begann, um auf die bedrohte Jesiden-Gemeinschaft aufmerksam zu machen.

Wendepunkt und Gründung

Entscheidend für ihren Aktivismus war eine Reise in den Nordirak 2014, wo Düzen Tekkal den Völkermord an Jesiden durch den 'Islamischen Staat' miterlebte – ein Ereignis, das sie von einer Journalistin zur Chronistin und Menschenrechtsaktivistin werden ließ. Daraufhin gründete sie 2015 die Organisation HÁWAR.help (nach dem kurdischen Wort für 'Hilfe'), in die nach und nach ihre Schwestern einstiegen. Heute beschäftigt die Organisation über 50 Mitarbeiter und genießt große Anerkennung.

Vielfältige Profile und gemeinsames Engagement

Jede Schwester bringt eigene Stärken ein: Tuğba Tekkal, ehemalige Profifußballerin, erhielt 2024 das Bundesverdienstkreuz für ihr Empowerment-Projekt 'Scoring Girls*', das Mädchen unabhängig von Herkunft kostenloses Fußballtraining bietet. Tülin Tekkal arbeitet als Musikerin und Moderatorin und verbindet Musik mit Politik. In ihrem Buch 'Wut und Wärme' beschreiben sie, wie sie sich gegen traditionelle Rollenbilder auflehnten und durch geteilte Werte wie Ehrlichkeit und Durchhaltevermögen zusammengehalten werden, wobei sie Einblicke in ihr Leben in einer Großfamilie in Hannover geben, ohne das Private vom Politischen zu trennen.

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