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Gesellschaft 20.03.2026, 09:34 Aktualisiert: 20.03.2026, 23:02

Fernandes-Vorwürfe gegen Ulmen: Debatte über digitale Gewalt und Gesetzeslücken

Collien Fernandes beschuldigt Christian Ulmen, Fake-Profile und pornografische Deepfakes erstellt zu haben.

Wichtige Fakten

  • Collien Fernandes beschuldigt Christian Ulmen, Fake-Profile und pornografische Deepfakes erstellt zu haben.
  • Fernandes erstattete 2025 in Spanien Anzeige; Vorermittlungen laufen, Ulmen genießt Unschuldsvermutung.
  • Justizministerin Hubig plant Gesetzentwurf: Herstellen und Verbreiten von Deepfakes unter Strafe stellen.
  • Annalena Baerbock kritisiert Schutz vor digitaler Gewalt in Deutschland als unzureichend.
  • Experten: Deepfakes nehmen stark zu, rechtliche Einordnung bei KI-generierten Inhalten umstritten.

Vorwürfe und rechtliche Schritte

Die Schauspielerin Collien Fernandes hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben, er habe Fake-Profile mit pornografischen Inhalten über sie erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet. Sie erstattete Ende 2025 Anzeige in Spanien, wo das Paar zuletzt lebte, und das zuständige Gericht hat Vorermittlungen eingeleitet. Ulmen genießt die Unschuldsvermutung, sein Anwalt kritisiert die Berichterstattung als rechtswidrig. Fernandes äußerte in einem Interview mit den tagesthemen, sie habe Erfahrungen mit Justizversagen gemacht und betont, dass sich dringend etwas ändern müsse.

Politische Reaktionen und Gesetzesinitiativen

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte an, Strafbarkeitslücken bei digitaler Gewalt zu schließen, insbesondere durch härtere Strafen für das Herstellen und Verbreiten von Deepfakes. Sie plant einen Gesetzentwurf für eine dreimonatige IP-Adressenspeicherung und mehr Personal bei Staatsanwaltschaften, unterstützt durch den "Pakt für den Rechtsstaat". Prominente Politiker wie Ricarda Lang (Grüne) und Boris Rhein (CDU) solidarisierten sich mit Fernandes und forderten schärfere Maßnahmen gegen digitale Gewalt.

Rechtliche Herausforderungen und Expertenmeinungen

Die rechtliche Einordnung von Deepfakes ist komplex: Während das Kunsturhebergesetz (KUG) Bildnisse schützt und der "Stalking-Paragraph" § 238 StGB bei Fake-Profilen greifen kann, ist die Strafbarkeit des reinen Erstellens von Deepfakes ohne Verbreitung umstritten. Experten wie Udo Vetter und Daniel Kötz weisen auf Lücken hin, da Begriffe wie "Bildaufnahmen" im StGB KI-generierte Inhalte nicht eindeutig erfassen. Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Generalversammlung, kritisierte den Schutz in Deutschland als unzureichend und verwies auf Länder wie Irland, die schneller reagieren.

Gesellschaftliche Debatte und Auswirkungen

Fernandes engagiert sich seit Jahren gegen Deepfake-Pornografie und erhielt breite öffentliche Unterstützung. Sie betont in Interviews, dass digitale Gewalt reale traumatische Auswirkungen habe und viele Opfer ähnliche Erfahrungen machen. Laut Baerbock erleben über 60% der Frauen in Deutschland digitale Gewalt, wobei die Dunkelziffer hoch ist. Die Debatte zeigt, dass gesetzliche Änderungen und ein gesellschaftliches Korrektiv nötig sind, um Täter zur Verantwortung zu ziehen und Opfer besser zu schützen.

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