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Inland 10.04.2026, 05:05 Aktualisiert: 10.04.2026, 18:06

Koalitionsstreit eskaliert vor Energiepreis-Gipfel - Kanzler Merz mahnt zur Einigkeit

Die saarländische Ministerpräsidentin Rehlinger fordert staatliche Preisobergrenzen für Sprit und eine Senkung der Mehrwertsteuer.

Wichtige Fakten

  • Die saarländische Ministerpräsidentin Rehlinger fordert staatliche Preisobergrenzen für Sprit und eine Senkung der Mehrwertsteuer.
  • DIHK-Präsident Adrian drängt auf strukturelle Reformen, da Deutschlands Wirtschaftsstandort zu teuer und kompliziert sei.
  • Das Bundeskartellamt hat neue Befugnisse zur Preisabfrage, erwartet aber keine schnellen Preissenkungen.
  • Wirtschaftsministerin Reiche kritisiert SPD-Vorschläge als teuer und wirkungsschwach - Kanzler Merz mahnt zur Zurückhaltung.
  • Ein Koalitionsausschuss am Sonntag soll über mögliche Entlastungen und Reformen beraten.

Forderungen vor dem Krisengipfel

Vor dem Energiepreis-Gipfel von Vizekanzler Lars Klingbeil hat die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) erneut staatliche Obergrenzen für Benzinpreise und eine Senkung der Mehrwertsteuer gefordert, um Verbraucher zu entlasten. Sie schlug vor, mit einer Übergewinnsteuer "unmoralische Krisengewinne der Konzerne abzuschöpfen" und damit Entlastungen zu finanzieren. Auch Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) unterstützt einen Spritpreisdeckel und fordert, die CO2-Bepreisung vorübergehend zu senken oder auszusetzen, da die gestiegenen Kosten inzwischen "unzumutbar" seien.

Wirtschaftliche Perspektiven und strukturelle Reformen

DIHK-Präsident Peter Adrian drängt auf langfristige strukturelle Reformen, da Deutschlands Wirtschaftsstandort mit hohen Energie- und Arbeitskosten wettbewerbsunfähig werde. Er betont, dass täglich über 300 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gingen und fordert niedrigere Kosten für Unternehmen statt neuer Steuerbelastungen. Adrian warnt, dass "Reförmchen nicht mehr ausreichen" und ein "mutiger Befreiungsschlag" nötig sei, um dauerhaftes Wachstum zu ermöglichen.

Rolle des Bundeskartellamts und politische Debatten

Das Bundeskartellamt hat seit dem 1. April neue Befugnisse, um Mineralölkonzerne zu Preiserhöhungen zu befragen. Präsident Andreas Mundt dämpft jedoch Erwartungen an schnelle Preissenkungen und betont, dass keine Wettbewerbsbehörde Preise "auf Knopfdruck" senken könne. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf Abschöpfungen ungerechtfertigter Gewinne durch das Kartellamt setzt, fordern SPD-Politiker wie Nina Scheer proaktive Darlegungen der Konzerne und eine Übergewinnsteuer. Klingbeils Treffen mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften soll über "möglichst zielgenaue" Entlastungen diskutieren, konkrete Ergebnisse werden nicht erwartet.

Koalitionäre Uneinigkeit eskaliert

Der Streit zwischen SPD und CDU über Entlastungsmaßnahmen hat sich deutlich verschärft. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat die SPD-Vorschläge öffentlich als "teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig" kritisiert und der Übergewinnsteuer eine "klare Absage" erteilt. Stattdessen bevorzugt sie eine vorübergehende Anhebung der Pendlerpauschale und Direktzahlungen für Geringverdiener. Bundeskanzler Merz hat daraufhin Ministerin Reiche zur Zurückhaltung gemahnt und betont, dass die Koalition nur zu Beschlüssen kommen könne, wenn sie "vertrauensvoll und ruhig zusammenarbeitet". Ein Koalitionsausschuss am Sonntag könnte einen Rahmen für Entscheidungen bieten, doch kurzfristige Ergebnisse bleiben ungewiss.

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