Forscher planen erstes Magmaobservatorium unter isländischem Vulkan
Wichtige Fakten
- • Das 'Krafla-Magma-Testbed' (KMT) ist weltweit das erste Observatorium, das flüssiges Gestein direkt erforscht.
- • Die Magmakammer liegt ungewöhnlich flach in nur etwa zwei Kilometern Tiefe unter dem Krafla-Vulkan.
- • Forscher von 25 internationalen Instituten beteiligen sich an dem über 100 Millionen Euro teuren Projekt.
- • Die Bohrungen könnten bereits im nächsten Jahr beginnen, sind aber technisch extrem herausfordernd.
- • Ein Auslösen eines Vulkanausbruchs durch die Bohrung gilt als extrem unwahrscheinlich.
Ziel und Bedeutung
Wissenschaftler planen, erstmals eine Magmakammer unter dem aktiven Krafla-Vulkan in Island anzubohren, um direkte Messungen im flüssigen Gestein durchzuführen. Das als 'Krafla-Magma-Testbed' (KMT) bezeichnete Projekt ist das weltweit erste Magmaobservatorium dieser Art und soll völlig neue Einblicke in vulkanische Prozesse ermöglichen. Forscher von 25 internationalen Universitäten und Instituten beteiligen sich an dem Vorhaben, das bereits im kommenden Jahr mit Bohrungen beginnen könnte.
Technische Herausforderungen und Risiken
Die Magmakammer liegt in ungewöhnlich geringer Tiefe von nur etwa zwei Kilometern, was sie für direkte Erkundungen erreichbar macht. Allerdings sind die technischen Herausforderungen enorm, da frühere Bohrungen in der Region zu Zerstörungen der Anlagen durch aggressive Säuren führten. Experten wie Vulkanologe Boris Behncke halten das Risiko, dass die Bohrung einen Vulkanausbruch auslöst, jedoch für extrem unwahrscheinlich, vergleichbar mit dem Stich einer Mücke.
Potenzielle Erkenntnisse und Anwendungen
Das über 100 Millionen Euro teure Projekt könnte die Vorhersage von Vulkanausbrüchen signifikant verbessern, indem es Oberflächendaten mit tatsächlichen Vorgängen in der Magmakammer abgleicht. Zudem sollen Erkenntnisse über die Bewegung von Magma und Kontinentalplatten gewonnen werden, was das Verständnis der Erde grundlegend verändern könnte. Weitere Anwendungen könnten in der Raumfahrt oder Geothermie liegen, wobei letztere vorerst auf wenige Länder wie Island beschränkt bliebe.
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