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Wirtschaft 19.07.2026, 07:11

Führerschein in Deutschland wird zum Luxusgut

Führerscheinkosten in Deutschland seit 2015 um 40 Prozent auf 3.750 Euro gestiegen.

Wichtige Fakten

  • Führerscheinkosten in Deutschland seit 2015 um 40 Prozent auf 3.750 Euro gestiegen.
  • Immer mehr junge Menschen verschieben oder verzichten auf den Führerschein.
  • Ursachen: höhere Fahrzeugkosten, Kraftstoff, Versicherungen und fehlende Fahrlehrer.
  • Bundesverkehrsminister plant Reform mit digitalen Angeboten und Fahrsimulatoren.
  • Frankreichs begleitetes Fahren ab 15 Jahren spart Kosten und erhöht Prüfungserfolg.

Steigende Kosten belasten junge Fahrschüler

Der Führerschein wird in Deutschland zunehmend zum Luxus. Die Kosten sind in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt um rund 40 Prozent gestiegen – von durchschnittlich 2.100 Euro im Jahr 2015 auf heute etwa 3.750 Euro. Viele junge Menschen können sich die Fahrerlaubnis nicht mehr leisten oder verschieben den Erwerb. Auszubildende wie Jessica Köhler profitieren von betrieblicher Unterstützung, doch das ist die Ausnahme. Gründe für die Preissteigerung sind höhere Kosten für Fahrzeuge, Kraftstoff, Versicherungen und Werkstätten, aber auch fehlende Fahrlehrer und eine steigende Anzahl nötiger Fahrstunden.

Politik plant Reform – Streit um Ausbildungsstandards

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will den Führerschein einfacher, flexibler und günstiger machen. Geplant sind digitale Theorieangebote, mehr Fahrsimulatoren und weniger verpflichtende Sonderfahrten. Die Fahrlehrerverbände warnen jedoch vor einer Aufweichung bewährter Standards. Sie befürchten, dass Simulatoren gefährliche Situationen nicht realistisch vermitteln und begleitetes Fahren mit Eltern Fehler verfestigen könnte. Als Vorbild gilt Frankreich, wo Jugendliche ab 15 Jahren nach 20 Fahrstunden mit einer eingetragenen Begleitperson private Fahrpraxis sammeln. Die Erfolgsquote steigt dort auf bis zu 75 Prozent.

Kompromiss aus Österreich als Vorbild

Österreich zeigt, dass günstiger und sicher kein Widerspruch sein muss: Begleitetes Fahren wird dort eng mit professioneller Ausbildung verzahnt. Jugendliche sammeln zusätzliche Praxis mit den Eltern, bleiben aber regelmäßig an die Fahrschule angebunden. Der Handlungsdruck ist hoch, denn der Führerschein entscheidet besonders auf dem Land über Ausbildung und Jobchancen. Die Diskussion geht nicht mehr um das Ob, sondern um die konkrete Ausgestaltung der Reform.

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