HS2-Projekt gerät außer Kontrolle: Kosten explodieren, Fertigstellung verzögert sich
Wichtige Fakten
- • HS2-Kosten könnten auf bis zu £102,7 Mrd. steigen.
- • Erster Zugverkehr zwischen frühestens 2036 und 2039.
- • Höchstgeschwindigkeit von 360 auf 320 km/h reduziert.
- • £44,2 Mrd. wurden bis März 2026 bereits ausgegeben.
- • Strecke soll nur noch London mit Birmingham verbinden.
Neue Zahlen und Verzögerungen beim HS2-Projekt
Das britische Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt HS2 steht vor massiven Kostensteigerungen und weiteren Verzögerungen. Verkehrsministerin Heidi Alexander gab am 19. Mai 2026 bekannt, dass die Baukosten auf bis zu 102,7 Milliarden Pfund (in Preisen von 2025) steigen könnten. Die erste Inbetriebnahme des Teilabschnitts zwischen Old Oak Common in West-London und Birmingham Curzon Street wird nun frühestens zwischen 2036 und 2039 erwartet, sechs Jahre später als zuletzt geplant. Zudem wird die Höchstgeschwindigkeit der Züge von ursprünglich 360 km/h auf 320 km/h gesenkt, was Einsparungen von bis zu 2,5 Milliarden Pfund bringen soll.
Politische Verantwortung und Zukunft der Strecke
Alexander machte die frühere konservative Regierung für die Misere verantwortlich und sprach von einem „Erbe des Scheiterns“. Die von den Vorgängern gestrichenen Streckenabschnitte nach Manchester und Leeds haben das Projekt auf eine reine Verbindung zwischen London und Birmingham reduziert. Der Geschäftsführer von HS2 Ltd, Mark Wild, kalkuliert, dass eine vollständige Stornierung des Projekts ähnlich hohe Kosten wie die Fertigstellung verursachen würde – rund 60 Milliarden Pfund. Der Schattenverkehrsminister Jerome Mayhew forderte konkrete Gesetzesänderungen, um künftige Budgetüberschreitungen zu verhindern.
Kapazitätsprobleme auf der bestehenden Strecke
Kritiker bemängeln, dass das ursprüngliche strategische Ziel, den Norden Englands wirtschaftlich zu stärken, nicht mehr erreicht werde. HS2-Züge sollen nach ihrer Ankunft in Birmingham auf die bestehende West Coast Main Line wechseln, wo sie auf überlasteten Gleisen langsamer fahren müssten als die aktuellen Pendolino-Züge. Die Modernisierung der viktorianischen Infrastruktur gilt als dringend erforderlich – das Fehlen durchgängiger Hochgeschwindigkeitsstrecken gefährde die wirtschaftliche Erholung des Landes. Experten verweisen auf andere Länder wie Spanien, Japan oder Marokko, die Hochgeschwindigkeitsstrecken günstiger und schneller realisieren konnten. Die britische Regierung hofft trotz aller Widrigkeiten, das Projekt zu Ende zu bringen.
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