Im Krieg getrennt: Südlibanesen müssen ihre Toten zweimal begraben
Wichtige Fakten
- • Israel expandiert Bodeninvasion im Südlibanon und zwingt zur Evakuierung.
- • Familien müssen Tote in provisorischen Gräbern in Tyre beerdigen, weit von Heimatdörfern.
- • Islamisches Recht erlaubt Ausnahmeregelung (wadiaa) für Sargbestattungen in Kriegszeiten.
- • Israelische Besatzungspläne südlich des Litani-Flusses lassen Rückkehr für Jahre ungewiss.
- • Nach vorigem Krieg 2024 fanden Rückkehrer zerstörte Friedhöfe und Moscheen vor.
Traditionelle Bestattungsriten im Krieg unmöglich
Die israelische Bodeninvasion im Südlibanon zwingt Familien, ihre traditionellen Bestattungsriten aufzugeben. Normalerweise werden Verstorbene in einer Prozession durch ihre Heimatorte getragen und von Angehörigen in vorbereitete Gräber gelegt. Unter Kriegsbedingungen müssen Tote nun in provisorischen Gräbern in Tyre beigesetzt werden, weit entfernt von ihren Heimatdörfern. Rabih Koubaissi, der in Tyre trotz Evakuierungsbefehlen und Luftangriffen bleibt, organisiert diese Notbestattungen.
Islamische Ausnahmeregelung und emotionale Belastung
Im Islam sind Exhumierungen eigentlich verboten, doch für Kriegszeiten gibt es die Ausnahmeregelung wadiaa, die eine Sargbestattung erlaubt – mit der Fiktion, dass nur der Sarg wieder ausgegraben wird. Oft können Leichen nicht gewaschen werden, manchmal sind nur Leichenteile vorhanden. Koubaissi beschreibt die emotionale Last: Familien müssen ihre Angehörigen zweimal begraben, und die Frage nach dem Aussehen der Toten ist kaum zu beantworten. Provisorische Gräber in Tyre sind mit nummerierten Holztafeln markiert, nur zwei zeigen Fotos der Verstorbenen.
Ungewisse Zukunft und zerstörte Friedhöfe
Israelische Pläne für eine langfristige Besatzung südlich des Litani-Flusses lassen befürchten, dass eine Rückkehr zur traditionellen Bestattung in Heimatdörfern Monate oder Jahre dauern könnte. Selbst wenn israelische Truppen abziehen, könnten Friedhöfe zerstört sein: Nach dem Krieg 2024 fanden Rückkehrer in Dhayra durch Bulldozer verwüstete Gräber und eine zerstörte Moschee vor, die Toten mussten anderswo neu beigesetzt werden. Die meisten Familien haben Tyre nach hastigen Beerdigungen verlassen, nur wenige Besucher bleiben an den provisorischen Gräbern.
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