Internationale Gemeinschaft nähert sich Taliban trotz Menschenrechtsverletzungen an
Wichtige Fakten
- • UN: Afghanistan ist ein "Friedhof für Menschenrechte".
- • Russland hat die Taliban-Regierung anerkannt und ein Militärabkommen geschlossen.
- • Die EU führte Gespräche über die Rückführung von Asylbewerbern.
- • Indien, China und zentralasiatische Staaten intensivieren Kontakte zu Kabul.
- • Viele Staaten erkennen die Taliban nicht offiziell an, sondern de facto.
- • Der innere Zusammenhalt der Taliban ist gespalten, Führer Akhundzada bleibt dominant.
Internationale Annäherung an die Taliban
Fünf Jahre nach ihrer Machtergreifung in Afghanistan können die Taliban ihre Isolation zunehmend aufbrechen. Immer mehr regionale und internationale Mächte zeigen sich bereit, diplomatische Kontakte zu dem repressiven Regime auszubauen – trotz anhaltender systematischer Menschenrechtsverletzungen. Die Vereinten Nationen beschrieben Afghanistan als "Friedhof für Menschenrechte", nachdem die Taliban Frauen von Universitäten und den meisten Arbeitsplätzen ausgeschlossen, Mädchen die Bildung verwehrt haben, strenge Kleidungsvorschriften eingeführt sowie Minderheiten verfolgt haben.
Neue Allianzen und Motive der Staaten
Indien, Katar, China, der Iran und mehrere zentralasiatische Länder haben zuletzt Vertreter der Taliban empfangen oder neue Kommunikationskanäle eröffnet. Russland erkannte die Taliban-Regierung bereits vor über einem Jahr an und unterzeichnete im vergangenen Monat ein Militärabkommen. Die Europäische Union führte im Juni Gespräche mit Taliban-Vertretern über die Rückführung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan. Einzelne europäische Staaten haben ihre Kontakte nach Kabul ebenfalls vertieft. Diese Entwicklung basiert auf regionalen Sicherheitsbedenken, dem Druck im Westen, irreguläre Migration zu reduzieren, und der Erkenntnis, dass die Taliban auf absehbare Zeit kaum gewaltsam abzulösen sind.
Kritik aus der Zivilgesellschaft
Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch kritisieren die neuen Kontakte scharf. Fereshta Abbasi, Afghanistan-Expertin bei HRW, erklärt: "Man kann die Taliban-Verbrechen nicht in einem Atemzug verurteilen und im nächsten Gespräche über Migration ankündigen." Die Kontakte untergraben die Forderungen nach Verbesserungen im Hinblick auf Frauen- und Menschenrechte. Die Taliban selbst betrachten die Einzelschritte der Länder als 'diplomatischen Sieg' und nutzen ihn, um sich Legitimität zu verschaffen.
Afghanistans interne Situation
Die Taliban-Führung bleibt in ihrer Haltung zudem stark: Jüngste Gesetze verschärfen die Unterdrückung weiter, darunter ein Gesetz, das nur schwere Misshandlungen als häusliche Gewalt anerkennt und die Verheiratung von Mädchen ohne Zustimmung erleichtert. Analysten sehen nicht, dass die Taliban in absehbarer Zeit Kompromisse eingehen werden. Die reale Macht liegt beim mächtigen obersten Führer Hibatullah Akhundzada.
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