Taliban-Durchsuchung von Safe Houses: Deutsche Aufnahmezusagen unter Druck
- • Fast die Hälfte von 2.308 Afghanen mit Aufnahmezusage darf seit dem Regierungswechsel in Deutschland nicht mehr einreisen.
- • Seit Mai 2025 sind 788 Afghanen nach Deutschland eingereist; rund 410 befinden sich noch im Ausreiseverfahren.
- • Die persönlichen Anhörungen sind fast vollständig abgeschlossen.
"Die angespannte Lage für gefährdete Afghanen bleibt bestehen. Trotz Versprechungen wurden viele Menschen nicht in Sicherheit gebracht, und die Rolle der deutschen Regierung steht stark in der Kritik. Die anhaltende Präsenz der Taliban und die unsichere Sicherheitslage verschärfen die Situation weiter."
Bericht: Taliban durchsuchen Gästehaus in Kabul mit deutschen Aufnahmefällen – Smartphones beschlagnahmt
- • Nach Informationen des ARD-Studios Neu-Delhi durchsuchten Taliban-Sicherheitskräfte am Abend des 18.01.2026 ein Gästehaus in Kabul, in dem auch frühere afghanische Ortskräfte untergebracht sind.
- • In dem Gästehaus leben mehrere Dutzend Afghaninnen und Afghanen mit ihren Familien; die Unterbringung wird aus Mitteln der Bundesregierung finanziert.
- • Unter den Bewohnern sind neben ehemaligen Ortskräften auch Personen aus dem Bundesaufnahmeprogramm sowie der sogenannten Überbrückungsliste.
"Ob die Razzia Folgen für die Betroffenen hat (weitere Verhöre, Festnahmen oder Einschränkungen) ist offen. Da die Taliban-Behörden bislang nicht reagieren und die Sicherheitslage für Personen mit Aufnahmezusagen unklar bleibt, dürfte die Diskussion um das weitere Vorgehen der Bundesregierung und den Schutz der Betroffenen anhalten."
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ARD-Recherche: Taliban setzen Bundesregierung mit ausgedünnten Afghanen-Missionen unter Druck – mehr eigene Diplomaten gefordert
- • Nach ARD-Recherchen wurden seit November 2024 13 von 16 afghanischen Diplomaten aus der Zeit vor der Taliban-Machtübernahme 2021 aus Deutschland abberufen; übrig blieben drei (Geschäftsträger in Berlin plus ein Kollege sowie ein Diplomat in München).
- • Im Botschaftsgebäude in Berlin arbeiten laut ARD derzeit noch zwei Diplomaten der Vorgängerregierung; das Kabuler Außenministerium wolle nach übereinstimmenden Berichten mehrerer ehemaliger Diplomaten den Geschäftsträger entfernen, weitere Abberufungen seien möglich.
- • Im Sommer 2025 kamen zwei Taliban-Konsularbeamte mit Zustimmung der Bundesregierung nach Deutschland; laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sollten sie Abschiebungen nach Afghanistan erleichtern.
"Sollten die Taliban weitere Alt-Diplomaten abberufen lassen und Deutschland weiterhin Akkreditierungen entziehen, könnte der Druck steigen, zusätzliche Taliban-Vertreter zuzulassen – insbesondere, wenn Berlin Abschiebungen nach Afghanistan praktisch an funktionierende Konsularstrukturen knüpft. Gleichzeitig deutet die inoffizielle Haltung aus Berlin („vehement gegen weitere Taliban-Diplomaten“) auf Widerstand hin; ein offener politischer Konflikt über den Umgang mit den afghanischen Vertretungen ist daher wahrscheinlich."