Teilen:
International 01.03.2026, 02:43 Aktualisiert: 01.03.2026, 18:02

Nach Chameneis Tod: Iranische Vergeltung, Proteste in Pakistan und unsichere Nachfolge

Irans Staatsmedien bestätigen Tod von Ajatollah Ali Chamenei (86) nach US-israelischen Luftangriffen.

Wichtige Fakten

  • Irans Staatsmedien bestätigen Tod von Ajatollah Ali Chamenei (86) nach US-israelischen Luftangriffen.
  • Revolutionsgarden kündigen Vergeltung an und rufen Bevölkerung zur Landesverteidigung auf.
  • Bei Protesten am US-Konsulat in Karatschi (Pakistan) sterben mehrere Demonstranten nach Chameneis Tod.
  • Iranische Angriffe auf Golfstaaten: In Dubai Verletzte am Flughafen, Schäden an Hotels.
  • Expertenrat aus 88 Klerikern muss Nachfolger bestimmen, Dreiergremium übernimmt vorübergehend Amtsgeschäfte.

Bestätigung des Todes und Reaktionen

Irans Staatsmedien haben den Tod des Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei offiziell bestätigt, nachdem US-Präsident Donald Trump und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu seine Tötung bei gemeinsamen Luftangriffen verkündet hatten. Die iranischen Nachrichtenagenturen meldeten, Chamenei sei als 'Märtyrer' ums Leben gekommen, ohne die genaue Todesursache zu nennen. Eine 40-tägige Staatstrauer wurde ausgerufen. Die Revolutionsgarden kündigten in einer von der Hisbollah verbreiteten Erklärung Rache an und riefen die Bevölkerung zur Landesverteidigung auf. Zudem wurde der Tod des Kommandeurs der Revolutionsgarde, Mohammed Pakpur, sowie des Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrats, Ali Schamchani, bestätigt. Bei den Angriffen kamen auch mehrere Angehörige Chameneis ums Leben, darunter eine Tochter, ein Schwiegersohn, eine Schwiegertochter und ein Enkel.

Angriffe und Gegenangriffe mit regionalen Auswirkungen

Die US-israelischen Luftangriffe trafen zahlreiche Ziele im Iran. Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in Bahrain, Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach Angaben von Tagesschau-Quellen wurden 65 Raketen und zwölf Drohnen abgefangen, doch es gab Einschläge: In Bahrain brannte ein Wohnhaus, in Dubai geriet ein Hotel in Brand, und am Flughafen der Stadt gab es Verletzte. Die Straße von Hormus wurde von der Revolutionsgarde für Tanker gesperrt, was 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen betrifft. Tausende Reisende sitzen an Flughäfen fest, während Regierungen der Golfstaaten zur Ruhe aufrufen und iranische Angriffe verurteilen.

Internationale und politische Konsequenzen

Der Luftraum im Iran und mehreren Nachbarländern wurde gesperrt. Die US-Operation zielt auf einen Regimewechsel in Teheran, doch Analysten wie die Politikwissenschaftlerin Gerlinde Groitl warnen, dass ein politischer Umbruch durch Luftangriffe allein unwahrscheinlich ist. Die Nachfolge Chameneis, der seit 1989 im Amt war, liegt nun bei der Expertenversammlung, einem Gremium von 88 Klerikern, die unter schwierigen Bedingungen einen neuen Obersten Führer wählen müssen. Bis dahin übernimmt ein Dreiergremium die Amtsgeschäfte. Während in einigen Städten Irans Trauerveranstaltungen stattfanden, brachen andernorts spontane Jubelszenen aus. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen betont, der Angriff sei völkerrechtswidrig, biete aber eine Chance für die Befreiung des iranischen Volkes.

Proteste in Pakistan und regionale Solidarität

Nach der Tötung Chameneis kam es zu Protesten in Pakistan, wo Demonstranten versuchten, das US-Konsulat in Karatschi zu stürmen. Dabei kamen nach Angaben der Polizei mehrere Menschen ums Leben, das Zivilkrankenhaus sprach von neun Toten. Auch in anderen Teilen Pakistans, wie Skardu und Lahore, gab es Demonstrationen. Pro-iranische Milizen wie die Hisbollah im Libanon und die Huthi im Jemen bekundeten ihre Solidarität mit dem Regime in Teheran, haben aber bislang nicht im großen Stil in den Krieg eingegriffen.

Unsicherheit über die Zukunft Irans

Chameneis Tod markiert eine Zäsur für Iran, doch Experten halten einen Zusammenbruch des Regimes für unwahrscheinlich. Laut Verfassung muss der Expertenrat aus 88 Klerikern einen Nachfolger bestimmen, wobei Namen wie der frühere Präsident Hassan Ruhani oder Chameneis Sohn Mojtaba gehandelt werden. Bis zur Ernennung übernimmt ein Dreiergremium die Amtsgeschäfte. Politikwissenschaftler betonen, dass ein neuer Religionsführer kaum die gleiche Autorität genießen wird und die Revolutionsgarde weiterhin eine Schlüsselrolle spielt. Die regionale Stabilität bleibt angesichts der anhaltenden Angriffe und Proteste gefährdet.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.