Italienischer Journalist mit Spyware überwacht: EU versagt bei Schutz der Pressefreiheit
Wichtige Fakten
- • Cancellatos Handy wurde 2025 mit Paragon-Spyware infiziert.
- • Italien fiel im RSF-Ranking auf Platz 56 zurück.
- • EU-Staaten blockieren Regulierung mit Verweis auf nationale Sicherheit.
- • WhatsApp meldete Angriffe auf Journalisten in 14 EU-Ländern.
Spyware-Angriff auf italienischen Journalisten
Der italienische Journalist Francesco Cancellato, Chefredakteur des Investigativportals Fanpage, wurde Ende Januar 2025 Opfer von Spionagesoftware auf seinem Handy. Die Malware namens 'Graphite' des israelischen Anbieters Paragon Solutions konnte ohne Nutzerinteraktion Daten auslesen, Mikrofon und Kamera aktivieren und den Standort verfolgen. Die Entdeckung gelang über eine WhatsApp-Warnung, die später von der Universität Toronto und der italienischen Staatsanwaltschaft bestätigt wurde.
Politische Brisanz und mangelnde Aufklärung
Der Vorfall ereignete sich kurz nach Veröffentlichung einer Undercover-Recherche von Fanpage, die faschistische Tendenzen in der Jugendorganisation von Ministerpräsidentin Giorgia Melonis Partei Fratelli d’Italia aufdeckte. Cancellato vermutet einen Zusammenhang, doch bis heute ist unklar, wer den Angriff befahl. Die italienische Regierung verhielt sich nach Ansicht des Journalisten behindernd. Der Vertrag mit Paragon wurde inzwischen ausgesetzt.
EU-Versagen bei Pressefreiheit
Im RSF-Ranking sackte Italien auf Platz 56 ab, unter anderem wegen 'legge bavaglio'-Gesetzen und Einschüchterungsklagen. Die EU hat trotz Bekenntnissen zur Medienfreiheit keine konkreten Maßnahmen zur Regulierung von Spyware ergriffen. Mitgliedstaaten blockieren Reformen mit Verweis auf nationale Sicherheit, sodass Aufklärung oft im Dunkeln bleibt. Angriffe auf Journalisten sind laut WhatsApp in 14 EU-Ländern dokumentiert.
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