Mobbing und Belastung in Klassenchats: WDR-Umfrage zeigt alarmierende Zustände
Wichtige Fakten
- • 37,5% der Schüler in Klassenchats erleben belastende Inhalte.
- • 16,7% wurden bereits im Klassenchat beleidigt oder gemobbt.
- • 25% machen sich Sorgen wegen geposteter Inhalte.
- • 16,7% hatten deswegen keine Lust auf Schule.
- • 80% der 10-16-Jährigen nutzen Klassenchats, meist bei WhatsApp.
Umfrageergebnisse zu digitaler Gewalt
Eine repräsentative WDR-Umfrage unter 1.257 Schülerinnen und Schülern zwischen zehn und 16 Jahren zeigt alarmierende Zustände in Klassenchats: Vier von fünf Jugendlichen nutzen solche Gruppen, überwiegend bei WhatsApp, und mehr als ein Drittel (37,5%) hat dort bereits unangenehme oder belastende Inhalte erlebt. Dazu gehören Mobbing, Beleidigungen, Morddrohungen und verstörende Sticker mit Gewaltdarstellungen.
Auswirkungen auf den Schulalltag
Die Folgen sind gravierend: Jeder sechste befragte Schüler (16,7%) gab an, aufgrund von Vorfällen im Klassenchat schon einmal keine Lust gehabt zu haben, in die Schule zu gehen. Schulleiter wie Thorsten Köhne aus Hattingen berichten, dass Konflikte aus privaten Chats zunehmend den Schulfrieden beeinträchtigen und Lehrer vermehrt als Schlichter fungieren müssen. Seine Schule setzt auf Prävention durch Handytrainings, in denen etwa das Recht auf Vergessen und die Wirkung von Nachrichten thematisiert werden.
Forderungen nach besserem Schutz
Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger kritisiert, dass Kinder seit zwei Generationen im digitalen Raum alleingelassen wurden, was zu sinkenden Hemmschwellen führt. Er fordert verpflichtende digitale Bildung ab der ersten Klasse, Fortbildungen für Eltern zur besseren Begleitung ihrer Kinder und Sicherheitsbehörden, die sich als Teil des digitalen Raums verstehen. Ein Fallbeispiel zeigt, wie eine Anzeige wegen rassistischer Inhalte in einem Schülerchat zu einer lehrreichen Erfahrung führte.
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