Kanada vor Entscheidung: Pistorius wirbt bei Milliarden-U-Boot-Deal mit Norwegen
Wichtige Fakten
- • Pistorius fordert engere Militärkooperation zwischen Deutschland und Kanada.
- • Kanada kauft schwedische GlobalEye-Frühwarnflugzeuge statt US-Modell.
- • Entscheidung über Zuschlag für TKMS-U-Boote bis Ende Juni erwartet.
- • Konkurrenz aus Südkorea bietet schnellere und günstigere U-Boote an.
- • Kanada will Verteidigungsausgaben erhöhen und NATO-Vorgaben erfüllen.
Strategische Partnerschaft vertiefen
Bei seinem zweiten Kanada-Besuch innerhalb von sieben Monaten hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) für eine milliardenschwere U-Boot-Kooperation mit dem deutschen Hersteller ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) geworben. Gemeinsam mit seinem norwegischen Kollegen Tore Sandvik betonte Pistorius auf der Sicherheitsmesse CANSEC in Ottawa, es gehe nicht nur um einen Kauf, sondern um eine langfristige Partnerschaft mit einheitlichen NAT-Standards. Das Angebot umfasst zwölf U-Boote des Typs 212 CD im Wert von rund 37 Milliarden Euro.
Wettlauf mit Südkorea
Die Entscheidung fällt vor dem NATO-Gipfel Anfang Juli in Istanbul – und unter Zeitdruck, denn Südkorea lockt als Konkurrent mit schnelleren und günstigeren Lieferungen. Kanadas Premierminister Mark Carney stellte eine Entscheidung bis Ende Juni in Aussicht. Der Deal ist auch eine strategische Weichenstellung, ob Kanada seine Integration ins transatlantische Bündnis bekräftigt oder sich stärker dem Pazifik zuwendet.
Frühwarnflugzeuge aus Schweden
Parallel dazu kündigte Carney den Kauf von sechs GlobalEye-Frühwarnflugzeugen des schwedischen Herstellers Saab an. Damit setzt sich Kanada über ein US-Konkurrenzprodukt von Boeing hinweg und signalisiert – wie bei den U-Booten – eine Diversifizierung seiner Rüstungsbeschaffung weg von den USA. Carney bezeichnete den Schutz der Arktis als Eigenverantwortung.
Schwierige Beziehungen zu Washington
Ein für nach der Kanadareise geplanter USA-Besuch von Pistorius fiel mangels Terminen in Washington aus – weder Außenminister Marco Rubio noch Verteidigungsminister Pete Hegseth standen für Gespräche bereit. Der Ausfall unterstreicht die gedämpfte transatlantische Stimmung, obwohl Themen wie der Ukraine-Krieg und geplante US-Raketenstationierungen in Deutschland vielfältigen Gesprächsbedarf böten.
Pistorius sieht seine Rolle zunehmend als „Außenrüstungswirtschaftsminister“. Grünen-Politiker Sebastian Schäfer, der ihn begleitet, hob hervor, Kanada sei für Deutschland in den Bereichen Seltene Erden und Rüstungszusammenarbeit mit dem europäischen NATO-Pfeiler von großer Bedeutung.
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