Rechtskonservativer Kast tritt Amt in Chile an – Hoffnung für Wirtschaft, Sorge für Gesellschaft
Wichtige Fakten
- • José Antonio Kast gewann Wahl mit Anti-Einwanderungs- und Sicherheitsdiskurs.
- • Er verspricht Notstandsregierung mit Fokus auf Ordnung und Wirtschaftswachstum.
- • Deutsche Unternehmen sehen Chancen durch marktliberale Politik und Rohstoffe wie Lithium.
- • Proteste gegen neue Frauenministerin und Diskriminierung von Migranten nehmen zu.
- • Kast sucht Schulterschluss mit globaler Rechten, etwa mit Trump in den USA.
Amtsübergabe und politische Wende
In Chile hat mit José Antonio Kast ein konservativer, strenggläubiger Katholik das Präsidentenamt übernommen und folgt auf den linken Gabriel Boric. Kast, der aus einer konservativen Tradition stammt und Bewunderung für den früheren Militärdiktator Pinochet äußert, sucht den Schulterschluss mit der globalen Rechten, wie bei einem Treffen mit Donald Trump in Florida deutlich wurde. In seiner ersten Amtsansprache kündigte er eine "Notstandsregierung" an, die sich auf Ordnung, Sicherheit und Wirtschaftswachstum konzentrieren soll, und kritisiert das Erbe seiner Vorgänger scharf.
Wahlkampf und innenpolitische Herausforderungen
Kast gewann die Wahl mit einem Diskurs gegen Zuwanderung und Kriminalität, obwohl Chile statistisch zu den sichersten Ländern Lateinamerikas zählt. Er versprach, irreguläre Migranten abzuschieben, und verknüpfte dies erfolgreich mit Ängsten der Bevölkerung vor Organisierter Kriminalität, etwa durch venezolanische Gruppen. Während über 60% der Chilenen sich unsicher fühlen, gibt es keine Belege für eine überdurchschnittliche Kriminalität von Migranten, was Kritiker wie Yngrid Becerra, eine venezolanische Pflegekraft, als diskriminierend und integrationshemmend kritisieren.
Wirtschaftliche Chancen und internationale Reaktionen
Deutsche Unternehmen in Chile sehen in Kasts marktliberaler Wirtschaftspolitik, die Bürokratieabbau und beschleunigte Genehmigungsverfahren verspricht, eine Chance, besonders angesichts strategischer Rohstoffe wie Lithium und Kupfer für die Energiewende. Cornelia Sonnenberg von der Deutsch-Chilenischen Handelskammer betont, Kast sei kein Extremist wie Trump oder Milei, und Deutschland sollte sich unvoreingenommen auf ihn einlassen. Allerdings ist China bereits Chiles wichtigster Handelspartner, und Europa könnte im Wettbewerb zurückfallen.
Gesellschaftliche Proteste und ungewisse Zukunft
Am Internationalen Frauentag demonstrierten Tausende gegen die neue Frauen- und Gleichstellungsministerin, eine evangelikale Abtreibungsgegnerin, und machten sich Sorgen um soziale Rechte. Politische Analysten wie Patricio Fernández fragen sich, ob Kast versöhnlich oder konfrontativ regieren wird. Fakt ist, dass er Teil der neuen globalen populistischen Rechten ist, aber auch von der traditionellen chilenischen Rechten im Kongress gestützt wird, was seine Regierungsfähigkeit beeinflussen könnte.
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