Südafrika: Gewaltsame Übergriffe auf Migranten am Stichtag der Proteste
Wichtige Fakten
- • Tausende protestierten friedlich, aber es gab gewaltsame Übergriffe in Armenvierteln.
- • Über 50.000 Migranten seit Januar festgenommen, mehr als 25.000 repatriiert.
- • Mindestens fünf Mosambikaner und weitere Migranten getötet.
- • Nachbarländer wie Nigeria und Malawi evakuierten Tausende Bürger.
- • Ramaphosa kündigte schärfere Einwanderungspolitik an, lehnt Selbstjustiz ab.
Trotz Großaufgebot der Polizei: Gewaltausbrüche am Stichtag
Am von Anti-Migrationsgruppen gesetzten Stichtag des 30. Juni kam es in Südafrika trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen vereinzelt zu gewaltsamen Übergriffen auf Migranten. In Armenvierteln wie Germiston bei Johannesburg trieben Mob mit Knüppeln vermeintliche Ausländer aus ihren Häusern und kontrollierten Papiere. Polizei und private Sicherheitskräfte schritten ein, Berichte über Verletzte wurden gemeldet. Die großen Demonstrationen in Kapstadt und Johannesburg blieben hingegen weitgehend friedlich. Organisatoren wie Jacinta Ngobese-Zuma von „March and March“ riefen zur Gewaltfreiheit auf, warnten aber gleichzeitig: „Bis wir gewonnen haben.“
Tausende Migranten auf der Flucht: Evakuierungen und Rückführungen
Die Angst vor Gewalt hat eine massive Fluchtwelle ausgelöst. Schätzungsweise über 25.000 Migranten wurden bereits in ihre Heimatländer repatriiert, viele weitere warten in provisorischen Lagern an Botschaften und Grenzübergängen auf ihre Rückkehr. Die Regierungen von Simbabwe, Malawi, Nigeria und Mosambik organisierten Busse und Flugzeuge zur Evakuierung ihrer Bürger. Die südafrikanische Polizei gab an, seit Januar mehr als 50.000 undokumentierte Migranten festgenommen zu haben. Die größte Migrationsbewegung dieser Art in der demokratischen Geschichte Südafrikas wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Fremdenfeindlichkeit.
Internationale Kritik und Position der Regierung
Menschenrechtsorganisationen verurteilten das Vorgehen der fremdenfeindlichen Gruppen als rechtswidrig und warnten vor einer weiteren Eskalation. Präsident Cyril Ramaphosa bekräftigte den Kurs der Null-Toleranz gegenüber Selbstjustiz, erkannte aber den Frust vieler Südafrikaner über illegale Einwanderung und deren Auswirkungen auf das Land an. Die Ankündigung einer verschärften Einwanderungspolitik mit Haftstrafen für die Beschäftigung von Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis stößt sowohl bei den Organisatoren als auch innerhalb der Gesellschaft auf Sympathie. Das Auswärtige Amt in Berlin rief alle Deutschen in Südafrika zu erhöhter Vorsicht auf und empfahl, Menschenansammlungen zu meiden. Am Abend des unfreiwilligen Stichtags bleibt die Lage angespannt.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.