Taliban legalisiert Kinderheirat und verbietet Scheidung gegen Willen des Ehemanns
Wichtige Fakten
- • Bis zu 70 % der Mädchen sind von Früh- oder Zwangsheirat betroffen.
- • Neues Scheidungsgesetz verweigert Frauen Scheidung bei Missbilligung des Mannes.
- • Schulverbot für Mädchen ab 11 Jahren treibt Anstieg der Kinderheirat voran.
- • Frauenrechtsaktivisten in Kabul protestieren gegen die neuen Gesetze.
Gesetzeslage: Kinderheirat faktisch legalisiert
Erstmals seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ist Kinderheirat de facto gesetzlich anerkannt worden. Ein neues Scheidungsgesetz, das vergangene Woche verabschiedet wurde, macht es für Mädchen und junge Frauen nahezu unmöglich, eine Scheidung gegen den Willen ihres Ehemanns zu erreichen. Auch Abwesenheit oder fehlender finanzieller Unterhalt durch den Ehemann reichen laut Gesetz nicht als Scheidungsgrund aus.
Proteste und internationale Kritik
In Kabul kam es diese Woche zu Protesten von Frauenrechtsbewegungen, die das Gesetz als systemische Gewalt gegen Frauen und Kinder verurteilen. Eine Aktivistin erklärte, die Taliban versuchten, Kinderheirat in der formellen Rechtsstruktur zu verankern. Die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) äußerte Besorgnis, die Regelung stelle einen weiteren Schritt zur Aushöhlung der Rechte afghanischer Frauen dar. Ein Taliban-Sprecher wies die Kritik zurück und verwies auf islamische Grundlagen des Systems.
Hintergrund und Folgen
Schätzungen zufolge werden etwa 70 % der Mädchen in Afghanistan zu Früh- oder Zwangsheiraten gedrängt, ausgelöst durch das seit 2021 geltende Schulverbot für Mädchen ab 11 Jahren. Forschung des Afghanistan Human Rights Center zeigt, dass die meisten Opfer von Kinderheirat häusliche Gewalt und schwere psychische Belastungen erleiden. Mitte Mai starb ein 15-jähriges Mädchen in der Provinz Daikundi nach monatelangen Misshandlungen durch ihren Ehemann.
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