Warken fordert mehr Geschlechtersensibilität in der Medizin
Wichtige Fakten
- • Frauen werden in klinischen Studien häufig vernachlässigt.
- • 87 % der Ärztinnen und Ärzte wünschen geschlechtersensible Leitlinien.
- • Ein Drittel der Mediziner erhielt keine Inhalte zur Gendermedizin im Studium.
- • Frauen sterben häufiger an Herzinfarkt, weil Symptome verkannt werden.
Appell zum Tag der Frauengesundheit
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat zum Internationalen Tag der Frauengesundheit am 28. Mai eine stärkere Berücksichtigung der medizinischen Belange von Frauen gefordert. Geschlechterspezifische Unterschiede in der Medizin müssten stärker beachtet werden. „Viel zu lange wurde einfach ignoriert, dass Frauen andere gesundheitliche Bedürfnisse, Beschwerden und Symptome haben als Männer“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Defizite in Forschung und Versorgung
Ein zentrales Problem ist die unzureichende Datenlage: Krankheiten werden überwiegend aus männlicher Perspektive erforscht und Medikamente oft an männlichen Patienten getestet. Die Neurowissenschaftlerin Veronika Witte von der Uniklinik Leipzig erklärt, dass Frauen in klinischen Studien „weniger betrachtet“ würden – unter anderem, weil weibliche Hormone lange als „Störvariable“ galten. Die Folgen sind unter anderem, dass Frauen nach einem Herzinfarkt häufiger sterben oder seltener Schmerzmittel erhalten. Körperliche Beschwerden würden bei Frauen häufig psychologisiert.
Unterstützung aus Ärzteschaft und Politik
Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage für den AOK-Bundesverband wünschen sich 87 Prozent der befragten Ärzte eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte in medizinischen Leitlinien. Knapp ein Drittel gab an, dass im Medizinstudium „gar keine“ Inhalte dazu vermittelt wurden, und über zwei Drittel haben noch nie eine Fortbildung zur geschlechtersensiblen Behandlung besucht. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) stellte klar, dass Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin „keine Nischenthemen“ seien, sondern „uns alle angehen“ – etwa in Verhütungsmittelforschung, Reproduktionsmedizin und geschlechtersensibler Medizin. Auch der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) forderte eine geschlechtersensible Prävention und Versorgung. BKK-Leiterin Anne-Kathrin Klemm betonte: „Eine Medizin, die das Geschlecht ignoriert, ist keine gute Medizin.“
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