25 Jahre nach NSU-Mord: Hamburger Sonderweg bei Aufarbeitung sorgt für Kritik
Wichtige Fakten
- • Süleyman Taşköprü wurde vor 25 Jahren in Hamburg vom NSU ermordet.
- • Hamburg ist das einzige Bundesland ohne NSU-Untersuchungsausschuss.
- • Angehörige kritisieren wissenschaftliche Aufarbeitung als "Trostpreis".
- • Ermittlungsbehörden erkannten jahrelang kein rassistisches Motiv.
- • Akten des LKA sind für Forschung noch nicht freigegeben.
Hamburgs Sonderweg bei NSU-Aufarbeitung
Vor 25 Jahren wurde der Gemüsehändler Süleyman Taşköprü in Hamburg-Altona vom NSU ermordet. Bis heute gibt es in Hamburg – anders als in allen anderen betroffenen Bundesländern – keinen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der NSU-Verbrechen. Die Bürgerschaft setzt stattdessen seit einem Jahr auf eine wissenschaftliche Aufarbeitung durch ein interdisziplinäres Team. Diese kann jedoch keine öffentlichen, eidlichen Zeugenvernehmungen durchführen und hat bislang keinen Zugang zu den Akten des Landeskriminalamts, die der Generalbundesanwalt nicht freigibt. Die Familie Taşköprü fordert weiterhin einen parlametarischen Untersuchungsausschuss.
Kritik an Verfahren und Behördenversagen
Die Hamburger Polizei ermittelte nach dem Mord jahrelang gegen die Familie des Opfers, anstatt das rassistische Motiv zu erkennen. Der Traumafachberater Jan Hildebrandt betont, dass die fehlende umfassende Aufklärung bei Angehörigen Ängste vor weiterer rechter Gewalt verstärke. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit hält die wissenschaftliche Untersuchung für schonender. Okan Taşköprü, Neffe des Opfers, hingegen bezeichnet sie als „Trostpreis“. Hamburg reichte inzwischen beim Oberlandesgericht Karlsruhe einen Antrag auf Freigabe der Akten ein.
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