Grenzkonflikt zwischen Pakistan und Afghanistan eskaliert zum offenen Krieg
Wichtige Fakten
- • Pakistan bombardierte als Reaktion auf afghanische Angriffe Ziele in Kabul, Kandahar und Paktia.
- • Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte einen 'offenen Krieg' gegen die Taliban in Afghanistan.
- • Beide Seiten melden stark abweichende Opferzahlen: Afghanistan spricht von 55 pakistanischen, Pakistan von 133 afghanischen Toten.
- • Die UN-Hilfsmission UNAMA berichtete von 13 zivilen Todesopfern bei pakistanischen Luftschlägen.
- • Friedensverhandlungen unter Vermittlung von Katar und der Türkei blieben bisher erfolglos.
Eskalation zum offenen Krieg
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan hat sich zu einem offenen Krieg ausgeweitet, nachdem die pakistanische Luftwaffe als Reaktion auf afghanische Angriffe militärische Ziele in Kabul, Kandahar und Paktia bombardierte. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte auf der Plattform X: 'Unsere Geduld ist am Ende. Nun werden wir einen offenen Krieg gegen euch führen.' Die Taliban hatten zuvor pakistanische Stellungen entlang der umstrittenen Grenze eingenommen und ihre Aktionen als Gegenoffensive auf pakistanische Grenzverletzungen bezeichnet.
Gegensätzliche Opferzahlen und humanitäre Folgen
Die Opferzahlen beider Seiten weichen stark voneinander ab: Laut afghanischen Angaben wurden 55 pakistanische und acht afghanische Soldaten getötet, während Pakistan von zwei eigenen und mindestens 133 afghanischen Toten spricht. Die UN-Hilfsmission UNAMA meldete 13 zivile Todesopfer bei den pakistanischen Luftschlägen. Augenzeugen berichteten von Explosionen in Kabul über mehr als zwei Stunden, und in einem Krankenhaus in Nangarhar werden Verletzte nach einem Beschuss eines Flüchtlingslagers behandelt.
Historische Ursachen und diplomatische Bemühungen
Der Konflikt hat historische Wurzeln in der von Afghanistan nicht anerkannten 2.611 Kilometer langen Grenze, die auf britische Kolonialpolitik im 19. Jahrhundert zurückgeht. Pakistan wirft den Taliban vor, Terrorgruppen zu unterstützen und Verbündete Pakistans Erzfeind Indien zu sein, während Afghanistan pakistanische Aggressionen anprangert. Trotz einer im Oktober unter Vermittlung der Türkei und Katars vereinbarten Waffenruhe erwies sich diese als brüchig, und bisher konnte keine dauerhafte Einigung erzielt werden. Afghanistanexperte Thomas Ruttig sieht jedoch Chancen für eine diplomatische Lösung, da beide Seiten an einer Deeskalation interessiert sein könnten.
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