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Wirtschaft 09.02.2026, 07:40 Aktualisiert: 09.02.2026, 19:44

Chemie-Tarifverhandlungen: Null-Runde gegen Reallohnausgleich

Fast 600.000 Beschäftigte in der Chemie- und Pharmabranche warten auf neue Tarifverträge.

Wichtige Fakten

  • Fast 600.000 Beschäftigte in der Chemie- und Pharmabranche warten auf neue Tarifverträge.
  • Arbeitgeber fordern Null-Runde wegen struktureller Krise, Gewerkschaft will Reallohnverlust ausgleichen.
  • Produktionsniveau liegt 20% unter 2018, hohe Energie- und CO2-Kosten belasten Wettbewerbsfähigkeit.
  • Unternehmen wie Ineos legen Anlagen still, während Sanofi 1,3 Mrd. Euro in Insulin-Produktion investiert.
  • DIW-Experte Fratzscher sieht Spielraum für moderate Lohnerhöhungen mit Ausnahmeregelungen für Krisenbetriebe.

Tarifverhandlungen in der Chemiebranche

Für fast 600.000 Beschäftigte der Chemie- und Pharmabranche in Deutschland laufen seit vergangener Woche schwierige Tarifverhandlungen. Während Unternehmen wie Sanofi in Frankfurt mit einer Investition von 1,3 Milliarden Euro eine modernste Insulin-Produktion aufbauen, kämpfen andere wie Ineos mit hohen Energiepreisen und haben bereits Produktionsanlagen in Köln und Rheinberg stillgelegt, mit einer geplanten Werkschließung in Gladbeck.

Gegensätzliche Positionen der Verhandlungspartner

Die Arbeitgeber, vertreten durch Matthias Bürk vom Bundesverband Chemie Arbeitgeber, sehen aufgrund einer tiefgreifenden strukturellen Krise keinen Spielraum für Lohnerhöhungen und fordern eine Null-Runde. Das Produktionsniveau liegt 20 Prozent unter dem von 2018, und hohe Strom- und Erdgaskosten im Vergleich zu den USA sowie steigende CO2-Zertifikatspreise belasten die Wettbewerbsfähigkeit. Die Gewerkschaft unter Oliver Heinrich fordert hingegen Lohnerhöhungen, um den Reallohnverlust der vergangenen Jahre auszugleichen, und schlägt differenzierte Lösungen für kriselnde und prosperierende Betriebe vor.

Wirtschaftliche Einschätzungen und Ausblick

Ökonomen wie Marcel Fratzscher vom DIW unterstützen moderate Lohnerhöhungen mit individuellen Ausnahmeregelungen und argumentieren, dass Lohnkosten im Vergleich zu Energiekosten nur ein kleiner Faktor sind. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht, obwohl die Tarifverhandlungen in der Chemie historisch meist friedlich verliefen. Die unterschiedliche Situation zwischen kriselnden und prosperierenden Unternehmen macht Kompromisse besonders schwierig.

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