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International 13.04.2026, 04:51 Aktualisiert: 13.04.2026, 15:05

Historischer Machtwechsel in Ungarn: Magyar erringt Zweidrittelmehrheit und beendet Orbáns Ära

Tisza-Partei gewinnt 138 von 199 Mandaten (53,2% der Stimmen).

Wichtige Fakten

  • Tisza-Partei gewinnt 138 von 199 Mandaten (53,2% der Stimmen).
  • Viktor Orbáns Fidesz erhält 55 Mandate (38,3% der Stimmen).
  • Rechtsextreme Partei 'Unsere Heimat' zieht mit 5,9% ins Parlament ein.
  • EU-Kommission blockiert über 18 Milliarden Euro Gelder für Ungarn.
  • Börsenindex BUX steigt auf Allzeithoch nach Wahlsieg.

Historischer Wahlsieg mit Zweidrittelmehrheit

Bei der Parlamentswahl in Ungarn hat die Tisza-Partei von Oppositionsführer Peter Magyar einen deutlichen Sieg errungen und beendet nach fast vollständiger Auszählung die 16-jährige Herrschaft von Ministerpräsident Viktor Orbán. Mit 138 von 199 Mandaten und 53,2 Prozent der Stimmen sicherte sich die Partei eine Zweidrittelmehrheit, die für weitreichende Verfassungsänderungen notwendig ist. Orbán räumte seine Niederlage ein und bezeichnete das Ergebnis als "schmerzhaft", gratulierte aber dem Sieger. Die rechtsextreme Partei "Unsere Heimat" übersprang mit 5,9 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde und errang 6 Mandate, während keine linken, grünen oder liberalen Parteien ins Parlament einzogen.

Politische Implikationen und Wahlkampf

Die Wahl markiert einen historischen Wendepunkt, da Orbán Ungarn in eine "illiberale Demokratie" umgewandelt und durch Vetos in der EU wichtige Hilfen für die Ukraine blockiert hatte. Magyar versprach, Ungarn wieder zu einem verlässlichen Partner in EU und NATO zu machen, die Korruption zu bekämpfen und die Justizunabhängigkeit wiederherzustellen. In seiner Siegesrede am Donauufer zu Frank Sinatras "My Way" erklärte er: "Gemeinsam haben wir das Orban-System abgewählt, gemeinsam haben wir Ungarn befreit." Die Wahlbeteiligung erreichte mit 79,5 Prozent einen Rekord, was die Bedeutung dieser Abstimmung unterstreicht.

Internationale Reaktionen und Erwartungen

In Berlin und Brüssel wurde der Machtwechsel mit Erleichterung aufgenommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßten den Sieg als Stärkung europäischer Werte und Signal gegen Rechtspopulismus. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gratulierte und hob die Reisewarnung für Ungarn auf. Polens Ministerpräsident Donald Tusk sprach von einem "glorreichen Sieg" und rief "Russians go home", während aus den USA keine offizielle Reaktion kam. Magyar kündigte an, seine ersten Auslandsreisen nach Warschau und Brüssel zu unternehmen, um eingefrorene EU-Gelder in Höhe von bis zu 17 Milliarden Euro freizusetzen.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Herausforderungen

Der Wahlsieg wurde an den Finanzmärkten positiv aufgenommen, der ungarische Leitindex BUX stieg um 3,3 Prozent auf ein Allzeithoch. Investoren hoffen auf einen pro-europäischen Kurs und stabilere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Allerdings sind über 18 Milliarden Euro an EU-Geldern blockiert, weil Ungarn EU-Standards nicht einhält. Die EU erwartet von Magyar, dass er mit der Zweidrittelmehrheit Reformen umsetzt, um diese Gelder freizusetzen und die Blockadepolitik Orbans zu beenden.

Innere Zerrissenheit und zukünftige Herausforderungen

Während die Tisza-Anhänger am Donauufer jubelten, zeigten sich Orbáns Unterstützer enttäuscht und gelähmt. Magyar drohte in seiner Rede damit, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die das Land "bestohlen" haben, was auf mögliche juristische Verfahren gegen die Vorgängerregierung hindeutet. Viele Wähler unterstützten Magyar eher aus Ablehnung Orbáns als aus Überzeugung, was die Herausforderungen für die neue Regierung unterstreicht. Magyar wird voraussichtlich in etwa einem Monat offiziell zum Ministerpräsidenten ernannt und muss dann die hohen Erwartungen an wirtschaftliche Erholung und politischen Wandel erfüllen.

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