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Wirtschaft 19.01.2026, 07:19 Aktualisiert: 19.01.2026, 12:06

ifo-Studie: Industrieunternehmen werden zu Dienstleistern – Ökonomen fordern neues Industrieverständnis

Laut einer Studie des Münchner ifo Instituts ist der Umsatzanteil produktbegleitender Dienstleistungen in den vergangenen zehn Jahren in allen Industriezweigen gestiegen.

Wichtige Fakten

  • Laut einer Studie des Münchner ifo Instituts ist der Umsatzanteil produktbegleitender Dienstleistungen in den vergangenen zehn Jahren in allen Industriezweigen gestiegen.
  • Besonders stark bieten Maschinenbauer produktbegleitende Dienstleistungen an; auch Fahrzeugbauer und Unternehmen der Elektroindustrie gehören zu den Vorreitern.
  • Unternehmen mit Forschung und Entwicklung erzielen im Schnitt 7,8% ihres Umsatzes mit produktbegleitenden Dienstleistungen; bei KI-Einsatz liegt der Anteil bei 8,6%.
  • ifo-Forscher Stefan Sauer sieht einen positiven Zusammenhang zwischen der Innovationstätigkeit eines Unternehmens und seinem Umsatz mit produktbegleitenden Dienstleistungen.
  • ifo-Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser nennt als zusätzlichen Druckfaktor eine veränderte Handelspolitik: eine neue Zollwelle (vor allem in den USA) sowie chinesische Subventionen, die den Wettbewerb verzerren; er spricht von unfairen Handelspraktiken.
  • Der Trend begünstigt, dass klassische Produktion häufiger ins Ausland verlagert wird, während Entwicklung, Service und Planung an Bedeutung gewinnen.
  • Ökonom Martin Lück (Makro Monkey) beschreibt die Verschiebung von der Hardware-Produktion hin zu Beratung und Instandhaltung und plädiert für ein neues Industrieverständnis (mehr wissensintensive Arbeit).
  • DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater fordert, die Produktionsbedingungen in Deutschland zu verbessern, damit Unternehmen mit der Fertigung im Land bleiben; er betont zugleich, der politische Erkenntnisprozess sei noch nicht weit genug.
Immer mehr Industrieunternehmen bauen ihr Geschäft über den reinen Produktverkauf hinaus aus und setzen auf umfassende Lösungen – von Beratung und Montage bis zu Wartung und langfristigen Serviceverträgen. Eine Studie des Münchner ifo Instituts zeigt, dass der Umsatzanteil produktbegleitender Dienstleistungen in den vergangenen zehn Jahren in allen Industriezweigen gestiegen ist. Besonders aktiv sind Maschinenbauer, aber auch Unternehmen der Fahrzeug- und Elektroindustrie. Treiber des Wandels sind die zunehmende technische Komplexität industrieller Güter sowie der Anpassungsdruck durch Strukturwandel, Digitalisierung und Dekarbonisierung. Hinzu kommen geopolitische Belastungen: ifo-Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser verweist auf „unfaire Handelspraktiken“, eine neue Zollwelle – vor allem in den USA – sowie chinesische Subventionen, die den Wettbewerb verzerren. Die Studie legt zudem nahe, dass Innovationsfähigkeit mit höheren Serviceumsätzen zusammenhängt: Firmen mit Forschung und Entwicklung erzielen im Schnitt 7,8% Umsatzanteil über produktbegleitende Dienstleistungen; bei Einsatz von Künstlicher Intelligenz liegt der Anteil bei 8,6%. Strukturell führt die Verschiebung Richtung Service dazu, dass klassische Produktion häufiger ins Ausland verlagert wird, während Entwicklung, Planung und Service wachsen. Ökonomen wie Martin Lück werben deshalb für ein neues Industrieverständnis, das wissensintensive Arbeit in den Vordergrund rückt. DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater hält dagegen bessere Produktionsbedingungen in Deutschland für entscheidend, damit Fertigung im Land bleibt – allerdings sei die politische Einsicht dafür noch nicht ausreichend ausgeprägt.

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