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Wirtschaft 01.07.2026, 07:01 Aktualisiert: 01.07.2026, 12:01

EZB vor Zinsentscheid – Inflation in Deutschland und Eurozone gesunken, aber neue Risiken drohen

Deutschland-Inflation im Juni auf 2,3% gesunken.

Wichtige Fakten

  • Deutschland-Inflation im Juni auf 2,3% gesunken.
  • Eurozone-Inflation fiel auf 2,8% – erwartet wurden 3,0%.
  • Tankrabatt Ende Juni ausgelaufen; ADAC rechnet mit 17 Cent Aufschlag.
  • BIZ warnt vor indirekten Folgen des Ölpreisschocks für Verbraucher.
  • EZB entscheidet am 23. Juli und 10. September über weitere Zinsen.

Aktuelle Inflationsentwicklung in Deutschland

Die Inflation in Deutschland ist im Juni 2026 auf 2,3 Prozent gesunken, nach 2,6 Prozent im Mai. Hauptgründe sind der vorübergehende Tankrabatt und der deutliche Rückgang der Ölpreise – Brent-Rohöl notierte zuletzt bei rund 72 US-Dollar pro Fass (minus 43 Prozent zum Krisenhoch). Chefvolkswirt Edgar Walk von Metzler Asset Management sieht darin klare Entspannungssignale. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel parallel auf 2,84 Prozent.

Eurozone: Inflation sinkt stärker als erwartet

Die Inflationsrate im Euroraum sank im Juni auf 2,8 Prozent – stärker als von Volkswirten mit 3,0 Prozent erwartet. Im Mai hatte sie noch 3,2 Prozent betragen. Die höchsten Raten verzeichneten Litauen (5,5%), Bulgarien (5,3%) und Kroatien (4,2%); die niedrigsten Malta (1,9%) sowie Estland und Frankreich (je 2,0%). Energieprodukte verteuerten sich um 8,7% nach 10,8% im Mai. Ökonomin Stephanie Schoenwald von der KfW sieht den Höhepunkt des energiegetriebenen Preisschubs hinter uns, sofern die Lage im Nahen Osten stabil bleibt.

Warnungen vor indirekten Folgen und weiteren Risiken

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt jedoch vor einem Nachbeben des Energiepreisschocks: Höhere Kosten für Vorleistungen wie Kunststoffe und Düngemittel könnten erst zeitverzögert bei Konsumgütern ankommen. Auch Commerzbank-Ökonom Jörg Krämer sieht noch Preissteigerungen auf Verbraucher zukommen. Eine Lohn-Preis-Spirale zeichnet sich laut Beobachtern aber nicht ab. Mit dem Auslaufen des Tankrabatts zum 1. Juli rechnet der ADAC mit einem Preissprung von rund 17 Cent pro Liter an den Zapfsäulen.

Geopolitische Unsicherheit und EZB-Politik

Ob der Ölpreisrückgang nachhaltig ist, bleibt fraglich: Die Lage um die Straße von Hormus bleibt angespannt, Infrastrukturschäden und leere Lager bestehen fort. Die EZB hatte am 11. Juni die Zinsen erstmals seit drei Jahren erhöht und debattiert nun über weitere Schritte. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält weitere Anhebungen für nötig, während Malta für ein Abwarten plädiert. Bundesbank-Chef Joachim Nagel alle Optionen offen. Die nächsten Zinsentscheidungen fallen am 23. Juli und 10. September; Ökonomen erwaten dann im dritten und vierten Quartal 2026 Inflationsraten um 3,6 bis 3,7 Prozent in Deutschland.

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