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Wissen 10.03.2026, 15:28 Aktualisiert: 10.03.2026, 18:07

Kernfusion: Zwischen Start-up-Euphorie und wissenschaftlicher Skepsis

Erstmals wurde bei einer Kernfusion 2022 mehr Energie gewonnen als verbraucht.

Wichtige Fakten

  • Erstmals wurde bei einer Kernfusion 2022 mehr Energie gewonnen als verbraucht.
  • Start-ups wie Proxima Fusion planen Demonstrationsreaktoren bis in die 2030er Jahre.
  • Wissenschaftler rechnen eher mit einem substanziellen Energiebeitrag Ende der 2060er Jahre.
  • Kernfusion erzeugt Radioaktivität, aber weniger als Kernspaltung.
  • Brennstoff Tritium ist auf der Erde nur in geringen Mengen verfügbar.

Fortschritte und Zeitpläne

Nach Jahrzehnten der Forschung mit vagen Prognosen werden die Zeitpläne für die Nutzung der Kernfusion als Energiequelle konkreter. Start-ups wie Proxima Fusion in München planen ambitionierte Projekte: Der Demonstrationsreaktor Alpha soll in der ersten Hälfte der 2030er Jahre fertig sein, und ein kommerzielles Kraftwerk namens Stellaris könnte ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts genutzt werden. Diese Projekte werden durch Investitionen von Bayern, dem Bund und privaten Geldgebern unterstützt, wobei allein Alpha zwei Milliarden Euro kosten soll.

Wissenschaftliche Perspektiven und Herausforderungen

Wissenschaftler wie Christoph Kirchlechner vom Karlsruher Institut für Technologie sind zwar beeindruckt vom Gründergeist in der Branche, aber skeptisch gegenüber den optimistischen Zeitplänen. Sie rechnen eher damit, dass die Kernfusion erst Ende der 2060er Jahre substanziell zum Energiemix beitragen wird. Technische Hürden bleiben bestehen, darunter die Erreichung von Temperaturen über 100 Millionen Grad Celsius, die Knappheit des Brennstoffs Tritium und Materialfragen, die erst im Betrieb geklärt werden können.

Technologie und Umweltaspekte

Die Kernfusion ahmt Prozesse in der Sonne nach und gilt als potenziell saubere Energiequelle, ist aber nicht vollständig emissionsfrei: Sie setzt Radioaktivität frei, wenn auch weniger als die Kernspaltung, und bei der Tritiumherstellung wird Quecksilber verwendet. Trotz dieser Herausforderungen beschleunigt die parallele Entwicklung in verschiedenen Bereichen durch Start-ups den Fortschritt, birgt aber Risiken wie Inkompatibilitäten zwischen Komponenten.

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