Dunkelfeldstudie zeigt: Gewalt in Beziehungen bleibt oft unentdeckt - Nur wenige Betroffene erstatten Anzeige
Wichtige Fakten
- • 18% der Frauen und 14% der Männer erleben körperliche Gewalt.
- • Anzeigequote liegt meist unter 5%, oft unter 3%.
- • Queere Personen und Menschen mit Migrationshintergrund sind überdurchschnittlich betroffen.
- • Fast die Hälfte aller Frauen und 40% der Männer erleben psychische Gewalt.
- • 25% der Befragten erleben multiple Gewaltformen (Polyviktimisierung).
Hintergrund und Ergebnisse der Studie
Eine neue Dunkelfeldstudie, beauftragt vom Bundesfamilienministerium, Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt, zeigt, dass Gewalt in Beziehungen in Deutschland oft im Verborgenen bleibt. Basierend auf Befragungen von über 15.000 Menschen wurde ermittelt, dass nur ein Bruchteil der Fälle, meist weniger als fünf Prozent, zur Anzeige gebracht wird. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betont, dass es darum gehe, Opfer von Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen Schutz zu bieten. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) erklärt, die Studie mache sichtbar, wie weit Gewalt verbreitet sei und dass sie kein Randphänomen darstelle, sondern Millionen Menschen betreffe.
Verbreitung und Dunkelziffer
Laut der Studie erfahren 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer körperliche Gewalt, wobei Frauen von schwereren Verletzungen und mehr Angst berichten. Psychische Gewalt betrifft fast die Hälfte aller Frauen und 40 Prozent der Männer. Besonders betroffen sind queere Personen und Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere Frauen, die verstärkt digitaler Gewalt ausgesetzt sind. Ein zentrales Ergebnis ist, dass 25 Prozent der Befragten multiple Gewaltformen erleben (Polyviktimisierung). Die Anzeigequoten liegen für beide Gewaltformen meist unter drei Prozent, was auf eine hohe Dunkelziffer hindeutet, wie der Fall von Isabelle illustriert, die aus Angst keine Anzeige erstattete.
Politische Reaktionen und Forderungen
Die Studie wird von Organisationen wie Terre des Femmes begrüßt, deren Geschäftsführerin Gesa Birkmann betont, dass nach über 20 Jahren endlich neue Daten vorliegen. Sie verweist auf die Istanbul-Konvention, die Deutschland zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen verpflichtet, und fordert, dass die Politik nun handeln muss. Konkret werden verpflichtende Schulungen an Arbeitsplätzen und in Schulen gefordert, um über Gewaltformen aufzuklären und Betroffene frühzeitig zu identifizieren. Isabelle, die Gewalt durch ihren Ex-Partner erlebte, unterstreicht die Bedeutung von Aufklärung, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Geplante Maßnahmen umfassen eine "Tarn-App" zur Dokumentation, härtere Strafen für K.O.-Tropfen und Fußfesseln nach spanischem Modell.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.