Vier Jahre Krieg in der Ukraine: Russlands Bevölkerung schottet sich ab, EU zeigt Solidarität ohne Milliardenhilfe
Wichtige Fakten
- • Die Mehrheit der russischen Bevölkerung versucht laut Meinungsforscher Denis Wolkow, sich vom Krieg abzuschotten und fühlt sich nicht verantwortlich.
- • Die Zustimmung zu Präsident Putin liegt bei 85%, gestützt durch Staatsmedien und Kriegswahrnehmung als Konflikt mit dem Westen.
- • EU-Spitzen zeigten in Kiew Solidarität, kamen aber ohne geplante Milliardenhilfe wegen Vetos von Ungarn und der Slowakei.
- • Der Krieg verursachte schwere Umweltschäden: 9% des Waldes nahe der Front zerstört, 311 Mio. Tonnen Treibhausgase freigesetzt.
- • Deutschland investiert über 100 Milliarden Euro in Verteidigung und hat seine Rüstungsexportpolitik nach der Zeitenwende grundlegend geändert.
Haltung der russischen Bevölkerung
Vier Jahre nach dem russischen Angriff auf die Ukraine versucht die Mehrheit der russischen Bevölkerung laut Meinungsforscher Denis Wolkow, sich vom Kriegsgeschehen abzuschotten. Die Menschen nehmen Informationen nur dosiert auf und fühlen sich als "kleine Leute" nicht verantwortlich, da sie nicht direkt in den Konflikt hineingezogen wurden. Die Zustimmung zu Präsident Wladimir Putin bleibt mit etwa 85 Prozent hoch, unterstützt durch Staatsmedien und die Wahrnehmung des Krieges als Konflikt mit dem Westen. Wirtschaftliche Probleme durch Sanktionen werden wahrgenommen, haben die Unterstützung bisher aber nicht wesentlich geschwächt.
EU-Solidarität und politische Herausforderungen
Zum vierten Jahrestag des Kriegsbeginns hat die Europäische Union in Kiew Solidarität mit der Ukraine bekundet. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa betonten, dass die EU "fest an der Seite der Ukraine" bleibe. Allerdings kamen die EU-Spitzen ohne die erhoffte Milliardenhilfe, da Ungarn und die Slowakei neue Sanktionen gegen Russland blockierten und ein Veto gegen ein 90-Milliarden-Euro-Kriegsdarlehen einlegten. Stattdessen wird voraussichtlich nur ein 100-Millionen-Euro-Nothilfe-Paket für die Energiesicherheit angekündigt.
Umwelt- und Klimafolgen des Krieges
Der russische Angriffskrieg hat neben menschlichem Leid auch erhebliche Umweltschäden verursacht. In einem 100-Kilometer-Streifen beiderseits der Frontlinie sind etwa neun Prozent des Waldes vollständig zerstört, was der doppelten Fläche Hamburgs entspricht. Zudem sind viele Schutzgebiete vermint, was Wildtiere gefährdet. Der Krieg hat laut einer Studie 311 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, vergleichbar mit den Emissionen Österreichs in vier Jahren. Hauptfaktoren sind die Kriegsführung selbst (37%), der Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur (23%) und Waldzerstörung (23%).
Kriegsführung und politische Lage
Der Krieg hat sich durch den Einsatz von Drohnen (FPV) stark verändert, die eine breite Todeszone geschaffen haben und kostengünstig schwere Waffen zerstören können. Ukraine und Russland gelten als weltweit führend in dieser Kriegstechnik. Politisch fordert Russland für einen Waffenstillstand die Abtretung der noch ukrainisch kontrollierten Gebiete in Donezk, was Präsident Wolodymyr Selenskyj ablehnt, obwohl er im Interview Kompromissbereitschaft signalisierte. Die USA drängen auf eine Einigung, doch eine dauerhafte Lösung scheint nicht in Sicht, während die Ukraine mit Rekrutierungsproblemen und Erschöpfung kämpft.
Deutsche Reaktion und Zeitenwende
Russlands Angriff auf die Ukraine hat die deutsche Politik und Gesellschaft tiefgreifend verändert, was als "Zeitenwende" bezeichnet wird. Deutschland hat seine Verteidigungspolitik grundlegend überarbeitet, mit über 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr und der Aufhebung der Schuldenbremse für Rüstungsausgaben. Zudem liefert Deutschland im großen Stil Waffen an die Ukraine, was eine Abkehr von der bisherigen restriktiven Rüstungsexportpolitik darstellt. Insgesamt hat Deutschland über 50 Milliarden Euro für militärische und knapp 40 Milliarden für zivile Unterstützung bereitgestellt.
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