Skandal um toxische Kultur in britischer Entbindungsklinik
Wichtige Fakten
- • Midwives nutzten Abkürzung "FOH" (F*** off home) für Schwangere.
- • Mangelnde Personalbesetzung führte zu gefährlichen Bedingungen.
- • Rassistische Diskriminierung von südasiatischen Patientinnen kam vor.
- • Trust entwickelte eigenes Klassifikationssystem, um externe Kontrolle zu vermeiden.
- • Über 800 Mitarbeiter meldeten sich bei der Untersuchungskommission.
Einleitung
Toxische Zustände und systemisches Versagen haben in der Entbindungsklinik des Nottingham University Hospitals NHS Trust (NUH) zu schwerwiegenden Schäden für Mütter und Neugeborene geführt. Eine BBC-Panorama-Enthüllung zeigt, wie eine respektlose und rassistische Kultur sowie chronischer Personalmangel die Sicherheit der Patientinnen gefährdeten.
Belastende Dokumente und Aussagen
Eine ehemalige leitende Hebamme schrieb bereits 2018 in einem Kündigungsschreiben von Kolleginnen, die die Abkürzung „FOH“ (einen vulgären Ausdruck für „geht nach Hause“) auf einem Whiteboard verwendeten. Einer weiteren Hebamme zufolge rieten Mitarbeiterinnen, Schwangere mit den Worten abzuweisen: „Seien Sie nicht zu nett, sie kommt sonst wieder.“ Ein im selben Schreiben beschriebener Vorfall betraf eine Gebärende, der nach einem Anruf gesagt wurde, sie solle nicht kommen; später kam sie mit einer Totgeburt. Nach öffentlichen Eingeständnissen und polizeilichen Ermittlungen deutet vieles darauf hin, dass das jahrelange Problem auch in den höchsten Führungsetagen bekannt war und trotz interner und externer Überprüfungen nicht konsequent behoben wurde.
Versagen des Managements und weiße Flecken der Aufsicht
Donna Ockenden, die leitende Hebamme der aktuellen staatlichen Untersuchung, kritisiert: „Es gab eine Haltung des 'Nottingham way', man habe etwas Besseres als andere Kliniken.“ In Wirklichkeit liege eine ganze Reihe externer Überprüfungen vor, deren Ergebnisse nie umgesetzt worden seien. So entwickelte der Trust ein internes Klassifizierungssystem für schwerwiegende Vorfälle, so dass diese nicht zwingend den Aufsichtsbehörden gemeldet werden mussten – was laut Ockenden bedeutete, „viele Mütter und Eltern mussten jahrelang darum kämpfen, dass der Tod ihres Babys als schwerwiegender Vorfall anerkannt wurde“.
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