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International 17.01.2026, 10:50 Aktualisiert: 17.01.2026, 20:10

Angst vor neuer Eskalation in Syrien: Damaskus rückt weiter vor, Kurden fordern Verfassungsrechte

In Nordsyrien wächst die Sorge vor einer Eskalation zwischen der Zentralregierung in Damaskus unter Übergangspräsident Ahmed al‑Scharaa und den kurdisch geführten Demokratischen Kräften Syriens (SDF).

Wichtige Fakten

  • In Nordsyrien wächst die Sorge vor einer Eskalation zwischen der Zentralregierung in Damaskus unter Übergangspräsident Ahmed al‑Scharaa und den kurdisch geführten Demokratischen Kräften Syriens (SDF).
  • Syrische Regierungstruppen sind in weitere strategisch wichtige Orte östlich von Aleppo vorgedrungen; in Deir Hafer erklärte die Armee gegenüber der Staatsagentur Sana, sie habe „volle militärische Kontrolle“ hergestellt und sei in das Gebiet des „westlichen Euphrat“ eingedrungen (BBC).
  • Die syrische Armee forderte Zivilisten auf, das Einsatzgebiet bis zur Sicherung und Minenräumung nicht zu betreten (BBC).
  • Die SDF kündigten eine Neudislozierung/Verlegung in Gebiete östlich des Euphrat an – nach Gesprächen mit US‑Vertretern und auf Bitten von Vermittlern (BBC).
  • US‑Sondergesandter Tom Barrack und SDF‑Chef Mazloum Abdi sollten sich in Erbil (Irakisch‑Kurdistan) treffen (BBC).
  • Aus dem Raum Deir Hafer flohen nach Angaben syrischer Behörden mindestens 4.000 Menschen (BBC).
  • In Qamishli demonstrierten Tausende Kurdinnen und Kurden; auf Plakaten wurde al‑Scharaa u.a. als „Mörder des kurdischen Volkes“ bezeichnet (tagesschau).
  • Kurdische Vertreter fordern, dass Rechte dauerhaft in der Verfassung verankert werden; das Verfassungsdekret gilt ihnen als unzureichend (tagesschau).
  • Al‑Scharaa stellte per Dekret in Aussicht, Kurdisch zur Nationalsprache zu machen und das kurdische Neujahr als offiziellen Feiertag anzuerkennen; laut BBC ist dies die erste formelle Anerkennung kurdischer nationaler Rechte seit der Unabhängigkeit 1946 (BBC).
  • Damaskus betont, im „neuen Syrien“ keine nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen zu akzeptieren und die Macht stärker in der Hauptstadt zu zentralisieren; Beobachter verweisen darauf, dass die Regierung mehr als die bisherigen rund 60% der Landesfläche kontrollieren will (tagesschau).
  • Die SDF kontrollieren weiterhin mehr als ein Viertel Syriens (etwa 50.000 Quadratkilometer) mit Öl‑, Agrar‑ sowie Wasser‑ und Energieinfrastruktur (tagesschau).
  • In Aleppo kam es zuletzt zu schweren Kämpfen; rund 150.000 Menschen flohen, einige kehren nach einer Waffenruhe schrittweise zurück (tagesschau).
  • Ein Abkommen zur Integration der kurdischen Kräfte in staatliche Strukturen (u.a. ein Deal aus März 2025) ist weiterhin nicht umgesetzt; beide Seiten machen einander verantwortlich (BBC/tagesschau).
  • Die kurdische Selbstverwaltung warnt, die USA könnten die Kurden im Konflikt allein lassen; die Außenbeauftragte Ilham Ahmad fordert eine klarere Positionierung Washingtons (tagesschau).
  • Hilfsorganisationen warnen vor gravierenden Folgen für die Zivilbevölkerung im Fall eines größeren Krieges; zugleich halten Beobachter das Vorgehen Damaskus’ eher für taktische, begrenzte Operationen zur Verbesserung der Verhandlungsposition (tagesschau).
  • Übergangspräsident al‑Scharaa wird laut tagesschau Anfang der kommenden Woche zu einem Besuch in Berlin erwartet (tagesschau).
In Syrien wächst die Angst vor einer neuen Eskalation zwischen der islamistisch geprägten Zentralregierung in Damaskus unter Übergangspräsident Ahmed al‑Scharaa und den kurdisch geführten Demokratischen Kräften Syriens (SDF). Regierungstruppen dringen weiter in strategisch wichtige Orte östlich von Aleppo vor. Nach BBC‑Angaben wurden syrische Truppen in Deir Hafer gesichtet; die Armee erklärte gegenüber Sana, sie habe dort „volle militärische Kontrolle“ hergestellt, und warnte Zivilisten zugleich, das Operationsgebiet bis zur Sicherung und Minenräumung nicht zu betreten. Aus dem Raum Deir Hafer seien nach Angaben syrischer Behörden mindestens 4.000 Menschen geflohen. Parallel kündigten die SDF nach Gesprächen mit US‑Vertretern und auf Drängen von Vermittlern eine Neudislozierung in Gebiete östlich des Euphrat an. Laut BBC sollten sich US‑Sondergesandter Tom Barrack und SDF‑Chef Mazloum Abdi in Erbil treffen. Trotz der vorübergehenden Entspannung bleiben die Konfliktlinien bestehen: Damaskus pocht auf die Zentralisierung der Macht und will im „neuen Syrien“ keine nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen dulden; die Kurden fürchten um Einfluss und Territorium, das mit Öl‑, Agrar‑ sowie Wasser‑ und Energieinfrastruktur verbunden ist. Zusätzlichen Druck zeigt die Stimmung in den kurdischen Gebieten: In Qamishli demonstrierten Tausende, teils mit scharfen Parolen gegen al‑Scharaa. Kurdische Vertreter verlangen vor allem verbindliche, verfassungsrechtlich abgesicherte Rechte statt zeitlich begrenzter Dekrete. Zwar stellte al‑Scharaa laut BBC in Aussicht, Kurdisch als Nationalsprache anzuerkennen und das kurdische Neujahr zum Feiertag zu machen – doch bleibt ungeklärt, wie eine Integration der SDF in staatliche Strukturen umgesetzt werden soll. Beobachter werten die jüngsten Operationen daher teils als taktische Schritte, um die Kurden zu Zugeständnissen zu bewegen, während Vermittler versuchen, einen größeren Krieg – auch mit Blick auf eine mögliche Rolle der Türkei – zu verhindern. Al‑Scharaa sucht zugleich internationale Rückendeckung und wird laut tagesschau Anfang der kommenden Woche in Berlin erwartet.

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