Taliban übernimmt heimlich Leitung der afghanischen Botschaft in Berlin
Wichtige Fakten
- • Nebrasul H. wurde zum Chef der afghanischen Botschaft in Berlin ernannt.
- • Die Bundesregierung wurde über den Wechsel absichtlich nicht informiert.
- • Deutschland erkennt die Taliban nicht als legitime Regierung Afghanistans an.
- • Der vorherige Geschäftsträger dient nur noch als Strohmann nach außen.
Heimliche Machtübernahme in Berlin
Nach ARD-Recherchen hat ein Mitglied der Taliban, Nebrasul H., die Leitung der afghanischen Botschaft in Berlin übernommen, ohne dass die Bundesregierung darüber informiert wurde. Deutschland ist damit der erste EU-Staat, in dem die Islamisten faktisch eine Botschaft führen. Nebrasul H. war im Juli 2025 als Konsularbeamter mit Zustimmung der Bundesregierung nach Berlin gekommen, um Abschiebungen nach Afghanistan vorzubereiten, übernahm jedoch heimlich die Kontrolle.
Diplomatische Täuschung und interne Machtverschiebung
Die Taliban hielten den Wechsel bewusst geheim, indem sie den bisherigen Geschäftsträger Abdul P. als Strohmann nach außen beibehielten, während Nebrasul H. intern die Geschäfte führte. Dokumente zeigen, dass Abdul P. bereits Anfang Januar 2026 entmachtet und zu einem lokalen Mitarbeiter degradiert wurde, aber weiterhin in der Botschafterresidenz wohnt, um den Schein zu wahren. Das Auswärtige Amt wurde fast drei Monate lang im Unklaren gelassen.
Politische Brisanz und deutsche Reaktion
Die Bundesregierung, die die Taliban nicht als legitime Regierung anerkennt, hatte betont, dass afghanische Vertretungen von vor der Machtübernahme akkreditierten Personen geleitet werden sollten. Die heimliche Übernahme durch einen Taliban-Vertreter stellt dies in Frage und könnte die Beziehungen belasten. Ähnliche Vorfälle gab es bereits im afghanischen Generalkonsulat in Bonn, wo ein weiterer Taliban-Beamter die Leitung übernahm.
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