Bundesweite Warnstreiks vor entscheidender Tarifrunde im öffentlichen Dienst
Wichtige Fakten
- • Ver.di und dbb fordern 7% mehr Lohn oder mindestens 300 Euro monatlich.
- • Arbeitgeber schlagen 5% Erhöhung über 29 Monate vor, Gewerkschaften kritisieren dies als zu niedrig.
- • Warnstreiks betreffen Unikliniken, Hochschulen, Kitas und Behörden in fast allen Bundesländern.
- • Über 900.000 Tarifbeschäftigte und 1,3 Millionen Beamte sind von den Verhandlungen betroffen.
- • Entscheidende Verhandlungsrunde findet am 11.02.2026 in Potsdam statt.
Bundesweite Warnstreiks vor entscheidender Tarifrunde
Am 10. Februar 2026 haben Gewerkschaften wie ver.di und der Deutsche Beamtenbund (dbb) bundesweite Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Länder ausgerufen, um den Druck auf die Arbeitgeber vor der letzten Tarifverhandlungsrunde am 11. Februar in Potsdam zu erhöhen. Die Streiks betreffen fast alle Bundesländer, mit Ausnahme von Hessen, und umfassen Bereiche wie Unikliniken, Hochschulen, Kitas, Schulen, Behörden und Straßenbauverwaltungen. In zahlreichen Städten wie Düsseldorf, Hamburg und Hannover fanden Großdemonstrationen statt, wobei in Düsseldorf etwa 16.000 Menschen protestierten. In Baden-Württemberg und Bayern sind Tausende Beschäftigte zur Arbeitsniederlegung aufgerufen, was zu erheblichen Beeinträchtigungen im öffentlichen Leben führt, einschließlich gesperrter Tunnel und Brücken in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
Forderungen, Angebote und Konfliktlinien
Die Gewerkschaften fordern für die über 900.000 Tarifbeschäftigten sowie indirekt etwa 1,3 Millionen Beamte und Versorgungsempfänger eine Lohnerhöhung von sieben Prozent oder mindestens 300 Euro monatlich, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich fordern sie 200 Euro mehr für Nachwuchskräfte und einen zusätzlichen freien Tag. Die Arbeitgeberseite, vertreten durch die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), hat bisher kein offizielles Angebot vorgelegt, aber es kursiert die Idee von fünf Prozent über 29 Monate, was von den Gewerkschaften als zu niedrig und zu langfristig kritisiert wird. Ver.di-Vorsitzender Frank Werneke bezeichnete diesen "Lösungskorridor" als "eine Frechheit", während der Chef des dbb, Volker Geyer, von "Zahlenspielchen" sprach.
Ausblick auf die Verhandlungen und Kompromissbereitschaft
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat die Streiks als zu weitgehend bezeichnet und fordert Fairnessregeln, während ver.di die Strategie der Arbeitgeber als vertrauenszerstörend ansieht. Trotz der scharfen Kritik signalisiert Werneke Kompromissbereitschaft und betont, dass Tarifergebnisse nur durch einen Kompromiss zustande kommen, der für die Beschäftigten tragbar sein muss. Er verwies auf den Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen des vergangenen Jahres mit 5,8 Prozent Erhöhung über 27 Monate als Maßstab. Die dritte Verhandlungsrunde in Potsdam wird zeigen, ob sich die Parteien einigen können, wobei die Gewerkschaften eine Mitgliederbefragung planen, um das Ergebnis zu legitimieren.
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