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International 16.01.2026, 09:09 Aktualisiert: 16.01.2026, 12:06

ARD-Recherche: Taliban setzen Bundesregierung mit ausgedünnten Afghanen-Missionen unter Druck – mehr eigene Diplomaten gefordert

Nach ARD-Recherchen wurden seit November 2024 13 von 16 afghanischen Diplomaten aus der Zeit vor der Taliban-Machtübernahme 2021 aus Deutschland abberufen; übrig blieben drei (Geschäftsträger in Berlin plus ein Kollege sowie ein Diplomat in München).

Wichtige Fakten

  • Nach ARD-Recherchen wurden seit November 2024 13 von 16 afghanischen Diplomaten aus der Zeit vor der Taliban-Machtübernahme 2021 aus Deutschland abberufen; übrig blieben drei (Geschäftsträger in Berlin plus ein Kollege sowie ein Diplomat in München).
  • Im Botschaftsgebäude in Berlin arbeiten laut ARD derzeit noch zwei Diplomaten der Vorgängerregierung; das Kabuler Außenministerium wolle nach übereinstimmenden Berichten mehrerer ehemaliger Diplomaten den Geschäftsträger entfernen, weitere Abberufungen seien möglich.
  • Im Sommer 2025 kamen zwei Taliban-Konsularbeamte mit Zustimmung der Bundesregierung nach Deutschland; laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sollten sie Abschiebungen nach Afghanistan erleichtern.
  • Ehemalige Diplomaten berichten, die beiden Taliban-Konsularbeamten seien auch mit dem Auftrag gekommen, die Auslandsmissionen auf Linie mit Kabul zu bringen; dies sei weitgehend gelungen.
  • Der Taliban-Konsularbeamte Said Mustafa H. lässt sich laut ARD in Bonn als Generalkonsul ansprechen, obwohl das Auswärtige Amt ihn nicht als solchen anerkannt hat.
  • Die Taliban bezeichnen Botschaft und Generalkonsulate in Berlin, Bonn und München inzwischen als Missionen ihres „Islamischen Emirats“, obwohl Deutschland die Taliban-Regierung nicht anerkennt.
  • Bei Gesprächen mit deutschen Diplomaten in Katar sollen die Taliban seit Längerem gefordert haben, vier bis sechs eigene Vertreter nach Deutschland entsenden und akkreditieren zu dürfen; das Auswärtige Amt äußert sich nicht zum Inhalt vertraulicher Gespräche.
  • Laut ARD begann das Auswärtige Amt bereits im November 2024 damit, Akkreditierungen von Diplomaten der Vorgängerregierung zu entziehen, wenn das Taliban-Außenministerium dies verlangte, und verwies dabei auf völkerrechtliche Verpflichtungen; Belgien und Österreich sollen solche Forderungen bislang ignoriert haben.
  • Der Hamburger Völkerrechtler Markus Kotzur bewertet die Ausdünnung von Vertretungen als politisches Druckmittel, weil dadurch diplomatische Beziehungen de facto nicht effektiv aufrechterhalten werden könnten.
  • Die von Innenminister Dobrindt angekündigten Abschiebungen laufen laut ARD bislang langsam an: In der betreffenden Woche wurde ein weiterer Straftäter nach Afghanistan geflogen; es war demnach erst der vierte Fall, der über direkte Kontakte mit den Taliban abgeschoben werden konnte.
Die Taliban erhöhen nach ARD-Recherchen den Druck auf die Bundesregierung, um weitere eigene Diplomaten nach Deutschland entsenden zu dürfen. In den afghanischen Vertretungen in Berlin sowie den Generalkonsulaten in Bonn und München ist die Personaldecke inzwischen extrem dünn: Seit November 2024 wurden 13 von 16 Diplomaten aus der Zeit vor der Machtübernahme 2021 abberufen; übrig seien nur noch drei Alt-Diplomaten. Im Berliner Botschaftsgebäude arbeiten demnach noch zwei Diplomaten der Vorgängerregierung – doch auch das könnte sich ändern, weil das Außenministerium in Kabul nach übereinstimmenden Berichten mehrerer ehemaliger Diplomaten den derzeitigen Geschäftsträger entfernen lassen will; weitere Abberufungen gelten als möglich. Zwar reisten im Sommer 2025 zwei Taliban-Konsularbeamte mit Zustimmung Berlins ein, offiziell um laut Innenminister Alexander Dobrindt Abschiebungen nach Afghanistan zu erleichtern. Ehemalige Diplomaten sehen darin aber auch den Versuch, die Auslandsmissionen auf Linie mit Kabul zu bringen – was weitgehend gelungen sein soll. Einer der Beamten, Said Mustafa H., tritt laut ARD in Bonn als Generalkonsul auf, obwohl das Auswärtige Amt ihn nicht als solchen anerkannt hat. Inzwischen beanspruchen die Taliban die afghanische Botschaft und die Generalkonsulate öffentlich als Missionen ihres „Islamischen Emirats“. Nach Darstellung ehemaliger Botschaftsangehöriger nutzen die Taliban die weitere „Ausdünnung“ als Hebel: Ohne genügend Personal könnten konsularische Abläufe – und damit Abschiebungen – kaum funktionieren. In Gesprächen mit deutschen Diplomaten in Katar sollen die Taliban seit Längerem die Akkreditierung von vier bis sechs weiteren Vertretern fordern; das Auswärtige Amt verweist darauf, sich nicht zu vertraulichen Gesprächen zu äußern. Inoffiziell heißt es laut ARD jedoch, Berlin sei klar gegen weitere Taliban-Diplomaten. Die von Dobrindt angekündigten Abschiebungen laufen derweil langsam: In der betreffenden Woche sei erst der vierte Straftäter über direkte Kontakte mit den Taliban abgeschoben worden.

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