Teilen:
International 16.01.2026, 00:02 Aktualisiert: 16.01.2026, 20:25

Trump verschärft Druck auf Hamas zur Entwaffnung zum Start der zweiten Phase des Gaza‑Waffenstillstands – Pläne für Übergangsverwaltung konkretisiert

BBC Verify wertete Satellitenbilder aus und dokumentiert, dass gelbe Betonblöcke zur Markierung der «Gelben Linie» in mindestens drei Gebieten (Beit Lahia, Jabalia, al‑Tuffah) zunächst gesetzt und später weiter in den Gazastreifen hinein versetzt wurden; insgesamt wurden 16 Positionen verschoben.

Wichtige Fakten

  • BBC Verify wertete Satellitenbilder aus und dokumentiert, dass gelbe Betonblöcke zur Markierung der «Gelben Linie» in mindestens drei Gebieten (Beit Lahia, Jabalia, al‑Tuffah) zunächst gesetzt und später weiter in den Gazastreifen hinein versetzt wurden; insgesamt wurden 16 Positionen verschoben.
  • Im Viertel al‑Tuffah (Gaza‑Stadt) wurden laut Satellitenbildern zwischen dem 27. November und dem 25. Dezember mindestens sieben bereits platzierte Blöcke versetzt.
  • Die versetzten Markierungen lagen im Durchschnitt rund 295 Meter weiter innerhalb des Gazastreifens als die Linie auf den offiziellen Karten.
  • BBC Verify kartierte zusätzlich 205 weitere Marker; mehr als die Hälfte davon steht deutlich weiter innerhalb des Gazastreifens als die auf Karten eingezeichnete Linie.
  • Satellitenanalysen bis zum 11. Januar zeigen, dass entlang von etwa 10 Kilometern der kartierten Linie keine Betonblöcke gesetzt wurden, was laut BBC zu Unsicherheit bei der Bevölkerung über den Beginn der von der IDF als «gefährliche Kampfzone» bezeichneten Bereiche führt.
  • Ein IDF‑Sprecher wies laut BBC «alle Behauptungen zurück», dass die Gelbe Linie verlegt worden sei oder IDF‑Truppen sie überschritten hätten; zugleich erklärte die IDF, man markiere die Linie «entsprechend den Bedingungen vor Ort und der laufenden operativen Lagebeurteilung».
  • Seit einer Warnung von Verteidigungsminister Israel Katz im Oktober („wer die Gelbe Linie überschreitet, wird mit Feuer beantwortet“) registrierte BBC Verify in einer Analyse von IDF‑Telegram‑Posts und BBC‑Stellungnahmen mindestens 69 Schussvorfälle an/um die Linie.
  • Zum Angriff auf eine Schule in al‑Tuffah am 19. Dezember berichtet BBC: Laut IDF‑Karten lag der Ort etwa 330 Meter auf der palästinensischen Seite der Linie, jedoch nur wenige Meter von einem zuvor dorthin versetzten gelben Block entfernt; Augenzeugen berichten, der Treffer habe während einer Hochzeitsfeier in der Nähe stattgefunden. Die Hamas‑geführte Zivilschutzbehörde meldete fünf Tote, darunter Kinder; die IDF sprach von Schüssen auf «verdächtige Personen» westlich der Linie, bedauerte Schäden an Unbeteiligten und erklärte, der Vorfall werde geprüft.
  • BBC berichtet über weitere gemeldete tödliche Vorfälle nahe der Markierungen: Ein 17‑Jähriger (Zaher Nasser Shamiya) soll laut seinem Vater am 10. Dezember nahe gelben Blöcken im Flüchtlingslager Jabalia durch IDF‑Beschuss getötet und anschließend von einem Panzer überrollt worden sein; BBC Verify bat die IDF um Stellungnahme.
  • Lokale Medien berichteten im November über zwei getötete Kinder (8 und 10 oder 11 Jahre alt), die laut Angehörigen Feuerholz gesammelt hätten; die IDF erklärte dazu, man habe zwei «Verdächtige» eliminiert, die die Gelbe Linie überschritten und sich IDF‑Truppen genähert hätten, ohne Details zur Identifizierung zu nennen.
  • Verifizierte Videos/Satellitenbilder zeigen laut BBC wiederholt IDF‑Fahrzeuge jenseits der kartierten Linie, u. a. etwa 400 Meter am Bani‑Suhaila‑Kreisel (Khan Younis) sowie etwa 260 Meter in Beit Lahia (Satellitenbild vom 25. Dezember).
  • BBC Verify berichtet zudem über Zerstörungen in Zusammenhang mit Blockbewegungen: In Ost‑Gaza‑Stadt seien hunderte Gebäude bis an die erste Blockposition und teils darüber hinaus zerstört worden; nach einer Marker‑Verschiebung habe es weitere Zerstörung gegeben. In Jabalia seien Schulgebäude abgerissen worden, die etwa 150 Meter innerhalb der kartierten Linie lagen.
  • Laut BBC können Trümmer nach Abrissen Markierungen vor Ort verdecken; die IDF erklärte, man zerstöre ein Hamas‑Tunnelsystem unter Gebäuden beidseits der Linie und dies könne Gebäudeeinstürze auf beiden Seiten verursachen.
  • BBC berichtet, dass Markierungen in einigen Gebieten kurz vor dem Bau temporärer israelischer Befestigungen (z. B. Straßensperren und Schutzbarrieren) jenseits der kartierten Gelben Linie gesetzt worden seien.
  • Ein IDF‑Sprecher erklärte laut BBC außerdem, Hamas‑Kämpfer hätten in der vergangenen Woche sechsmal «jenseits der Gelben Linie» auf israelische Truppen geschossen.
  • Laut Guardian hat US‑Präsident Donald Trump zum Start der zweiten Phase des US‑vermittelten Waffenstillstands die «umfassende» Demilitarisierung der Hamas gefordert und in einem Beitrag auf Truth Social «schwere Konsequenzen» angedroht, falls die Hamas nicht einlenkt.
  • Trump verlangte laut Guardian zudem die Rückgabe der sterblichen Überreste der letzten israelischen Geisel, die nach US‑Darstellung noch von der Hamas gehalten wird.
  • Laut Guardian ist bislang keine Einigung über eine Entwaffnung der Hamas erzielt; die Hamas lehnt eine Waffenabgabe weiterhin ab. Als Streitpunkte der zweiten Phase gelten außerdem ein israelischer Truppenabzug und eine stärkere Öffnung für humanitäre Hilfe, die Israel laut Bericht noch nicht vollständig umgesetzt hat.
  • Neu laut Guardian: Trump erklärte, die Entwaffnung und der Abbau des Tunnelnetzes sollten mit Unterstützung Ägyptens, der Türkei und Katars erfolgen; wie dies durchgesetzt werden könnte, sei jedoch unklar.
  • Neu laut Guardian: Nach dem Plan solle die Hamas schwere Waffen vollständig abgeben; für kleinere Waffen erwägt die US‑Seite demnach ein «Rückkaufprogramm» (Buy-back), bei dem Besitzer Handfeuerwaffen gegen Geld abgeben.
  • Nach Guardian‑Angaben wurden seit Inkrafttreten des Waffenstillstands im Oktober des Vorjahres mindestens 451 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet (Berichtszahl).
  • Trump wolle laut Guardian ein «board of peace» leiten, das Wiederaufbau, wirtschaftliche Erholung und den Übergangsprozess in Gaza überwachen soll.
  • Neu laut Guardian: Tony Blair werde demnach für ein separates Exekutivgremium erwartet; zudem werden Jared Kushner und Steve Witkoff als beteiligte Berater genannt. Nickolay Mladenov (ehemaliger UN‑Nahostgesandter) solle eine zentrale Rolle vor Ort spielen (Bericht).
  • Das «board of peace» soll laut Guardian ein 15‑köpfiges palästinensisches Technokraten‑Komitee (National Committee for the Administration of Gaza, NCAG) beaufsichtigen; Ali Shaath werde als Leiter genannt.
  • Ein UN‑Vertreter (Jorge Moreira da Silva, UNOPS) beschrieb nach einem Besuch das Ausmaß der Zerstörung als überwältigend und bezifferte den Schutt in Gaza laut Guardian auf mehr als 60 Millionen Tonnen; das Räumen könne voraussichtlich über sieben Jahre dauern.
  • Neu laut Guardian: Die UN gehen davon aus, dass der Wiederaufbau über mehrere Jahrzehnte mehr als 70 Milliarden US‑Dollar kosten dürfte (Schätzung).
  • Laut Guardian starben in Deir al‑Balah nach Angaben medizinischer Quellen im Al‑Aqsa‑Märtyrerkrankenhaus sechs Menschen bei zwei israelischen Luftangriffen am Donnerstag.
  • Laut Guardian starben bei starken Winterwinden mindestens vier Menschen, als Wände auf provisorische Zelte stürzten (Bericht).
  • Unicef erklärte laut Guardian, seit Beginn des Waffenstillstands seien 100 Kinder getötet worden; zudem seien sechs Kinder an Unterkühlung gestorben (Berichtszahlen).
Zum Start der zweiten Phase des US‑vermittelten Gaza‑Waffenstillstands verschiebt sich der Fokus der Debatte weiter von der reinen Feuerpause hin zu Entwaffnung, Übergangsverwaltung und Wiederaufbau. Nach einem Bericht des Guardian verschärfte US‑Präsident Donald Trump den Druck auf die Hamas mit einem neuen öffentlichen Ultimatum: In einem Truth‑Social‑Post forderte er eine «umfassende» Demilitarisierung und drohte bei Weigerung «schwere Konsequenzen» an. Zudem verlangte er die Rückgabe der sterblichen Überreste der letzten israelischen Geisel, die nach US‑Darstellung noch von der Hamas gehalten wird. Eine Einigung über die Entwaffnung gibt es demnach weiterhin nicht; die Hamas lehnt eine Waffenabgabe weiter ab. Der Guardian beschreibt zudem konkretere Umrisse der diskutierten Demilitarisierungs- und Governance‑Pläne: Trump habe erklärt, die Entwaffnung und der Abbau des Tunnelnetzes sollten mit Unterstützung Ägyptens, der Türkei und Katars erfolgen – wie dies durchsetzbar wäre, bleibt laut Bericht unklar. Als mögliche Maßnahme werde erwogen, schwere Waffen vollständig abzugeben und für kleinere Waffen ein «Rückkaufprogramm» aufzulegen. Gleichzeitig soll ein von Trump geleitetes «board of peace» den Wiederaufbau und den Übergangsprozess steuern und ein 15‑köpfiges palästinensisches Technokraten‑Komitee (NCAG) zur zivilen Administration beaufsichtigen; als Leiter wird Ali Shaath genannt. Neu ist zudem die Nennung möglicher Rollen einzelner internationaler Akteure: Tony Blair werde laut Bericht in einem separaten Exekutivgremium erwartet, und Nickolay Mladenov solle vor Ort eine zentrale Rolle spielen. Trotz Waffenstillstand bleibt die Lage laut Guardian angespannt: Seit Inkrafttreten der Feuerpause im Oktober seien mindestens 451 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet worden. Am Donnerstag meldeten medizinische Quellen in Deir al‑Balah sechs Tote bei zwei israelischen Luftangriffen. Zusätzlich verschärfen Winterstürme die humanitäre Krise; demnach starben mindestens vier Menschen, als Wände auf Zelte stürzten. Unicef berichtete zudem, seit Beginn der Waffenruhe seien 100 Kinder getötet worden, sechs davon durch Unterkühlung. Parallel belastet ein lokaler Streitpunkt weiterhin die fragile Umsetzung: BBC Verify dokumentierte anhand von Satellitenbildern, dass gelbe Betonblöcke zur Markierung der vereinbarten «Gelben Linie» in mehreren Bereichen nachträglich weiter in den Gazastreifen hinein versetzt worden seien – Vorwürfe, die die IDF zurückweist. Die Uneindeutigkeit der Markierungen, gemeldete Schussvorfälle sowie dokumentierte Zerstörungen entlang der Linie erschweren nach BBC‑Darstellung Orientierung und Sicherheit der Zivilbevölkerung und könnten weitere Schritte wie Rückzug und Erleichterungen für Hilfslieferungen zusätzlich belasten.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.