Grüne gewinnen knapp vor CDU bei Landtagswahl in Baden-Württemberg
Wichtige Fakten
- • Die Grünen gewinnen laut ARD-Hochrechnung mit 30,3% knapp vor der CDU (29,7%).
- • Die AfD erreicht ihr bisher bestes Ergebnis in Baden-Württemberg mit 18,7%.
- • SPD (5,5%), FDP (4,4%) und Linke (4,4%) liegen unter der Fünf-Prozent-Hürde.
- • Erstmals durften 16- und 17-Jährige wählen, was etwa 650.000 neue Wähler betrifft.
- • Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6%, deutlich höher als 2021 (63,8%).
Historische Wahl mit bundesweiter Bedeutung
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 markiert das Ende der 15-jährigen Ära von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der mit 77 Jahren in den Ruhestand tritt. Es ist die erste von fünf Landtagswahlen in diesem Jahr und kann damit bundesweit politische Weichen stellen. Strategen aller Parteien beobachten das Ergebnis genau, da Niederlagen für die CDU Kanzler Friedrich Merz und seine Koalition schwächen könnten.
Grüne gewinnen knapp vor CDU in Hochrechnung
Laut ARD-Hochrechnung von Infratest dimap gewinnen die Grünen mit 30,3 Prozent knapp vor der CDU mit 29,7 Prozent. Die AfD holt ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 18,7 Prozent und wird stärkste Oppositionskraft. Die SPD fällt auf ein historisches Tief von 5,5 Prozent, während FDP und Linke mit jeweils 4,4 Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen und nicht in den Landtag einziehen.
Hohe Wahlbeteiligung und neue Wähler
Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6 Prozent, deutlich höher als bei der letzten Landtagswahl 2021 mit 63,8 Prozent. Erstmals durften 16- und 17-Jährige in Baden-Württemberg wählen, was etwa 650.000 neue Wählerinnen und Wähler (8,4 % aller Wahlberechtigten) betrifft. Zudem wurde das Wahlrecht reformiert, mit zwei Stimmen ähnlich der Bundestagswahl, was zu einer Vergrößerung des Landtags führen könnte.
Wirtschaftliche Herausforderungen prägen Wahlkampf
Die Wirtschaftskrise und der Strukturwandel in der Autoindustrie verleihen der Wahl zusätzliche Brisanz. Baden-Württemberg ist besonders abhängig von der Autoindustrie, wo allein im vergangenen Jahr fast 50.000 Jobs gestrichen wurden. Entsprechend stand die Wirtschaftspolitik im Mittelpunkt des Wahlkampfs, mit Fokus auf Standortfragen, Jobrettung und Bürokratieabbau. Beide Spitzenkandidaten betonten ihre wirtschaftspolitischen Kompetenzen, wobei Cem Özdemir (Grüne) auch mit einer Verschiebung des Verbots von Neuzulassungen für Autos mit fossilen Verbrennungsmotoren liebäugelte.
Reaktionen der Spitzenkandidaten
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir rief die CDU zu einer neuen Zusammenarbeit auf und strebt eine "Partnerschaft auf Augenhöhe" an. CDU-Kandidat Manuel Hagel übernahm die Verantwortung für das Wahlergebnis und räumte die Niederlage ein, während CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann die Wahl noch nicht für verloren gab. AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel sah ihre Partei als Wahlsieger, und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnete das Ergebnis als "sehr bitter", da die SPD im Zweikampf zwischen Grünen und CDU "unter die Räder gekommen" sei. SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte nach dem Debakel seinen Rücktritt an.
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