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Iran: Kommunikations-Blackout hält an – Regierung nennt erstmals mindestens 5.000 Tote, Trump fordert Führungswechsel
Seit dem 8. Januar ist in Iran das Internet weitgehend abgeschaltet; laut BBC zählt der Blackout zu den extremsten Internet-Shutdowns der Geschichte und betrifft rund 92 Millionen Menschen, teils inklusive Störungen bei Telefonie und SMS.
Wichtige Fakten
- • Seit dem 8. Januar ist in Iran das Internet weitgehend abgeschaltet; laut BBC zählt der Blackout zu den extremsten Internet-Shutdowns der Geschichte und betrifft rund 92 Millionen Menschen, teils inklusive Störungen bei Telefonie und SMS.
- • Irans Außenminister Abbas Araghchi begründete die Abschaltung laut BBC mit angeblich von außen gesteuerten „terroristischen Operationen“.
- • Die iranische Führung hat keinen Termin für eine Rückkehr der Internetdienste genannt; IranWire berichtete am 15. Januar unter Berufung auf Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani, internationaler Internetzugang werde mindestens bis zum iranischen Neujahr (Ende März) nicht verfügbar sein; dies ist nicht unabhängig verifiziert (BBC).
- • Beobachter des Projekts FilterWatch sehen Anzeichen, dass Iran den Blackout nutzt, um eine dauerhafte Einschränkung des Zugangs zum internationalen Internet aufzubauen; diskutiert wird ein gestuftes System, bei dem globaler Zugriff nicht automatisch, sondern nach Registrierung und behördlicher Prüfung/Freigabe möglich wäre (BBC/FilterWatch; nicht unabhängig bestätigt).
- • Access Now fordert die vollständige Wiederherstellung des Internetzugangs und warnt, Abschaltungen begünstigten die Verschleierung von Menschenrechtsverletzungen und verursachten wirtschaftliche Schäden, etwa für E‑Commerce (BBC).
- • Laut HRANA (Stand 18. Januar) wurden mehr als 3.300 bestätigte Tote registriert, über 4.380 Fälle seien in Prüfung; außerdem seien 24.266 Festnahmen in 187 Städten gemeldet. Die BBC weist darauf hin, dass die Zahlen wegen fehlender unabhängiger Überprüfung unvollständig sein könnten.
- • Ein iranischer Regierungsvertreter nannte gegenüber Reuters erstmals eine offizielle Mindestzahl: mindestens 5.000 Tote, darunter etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte; verantwortlich machte er „Terroristen und bewaffnete Randalierer“ (Tagesschau/Reuters).
- • Irans Oberster Führer Ali Chamenei räumte laut Tagesschau ein, es gebe „mehrere Tausend“ Tote, und beschuldigte die USA und Israel, die Unruhen organisiert zu haben (Tagesschau).
- • Der Regierungsvertreter sagte laut Tagesschau zudem, die endgültige Zahl der Todesopfer werde voraussichtlich nicht mehr stark ansteigen (Tagesschau/Reuters).
- • Die Tagesschau berichtet, besonders heftig sollen die Zusammenstöße in kurdischen Gebieten im Nordwesten Irans gewesen sein; unabhängige Überprüfung ist wegen des Blackouts erschwert.
- • Deutlich höhere, nicht unabhängig verifizierte Schätzungen nennt die Sunday Times: Demnach sollen 16.500 bis 18.000 Menschen getötet und bis zu 360.000 verletzt worden sein; zudem hätten mindestens 700 bis 1.000 Menschen ein Auge verloren. Grundlage seien Auswertungen aus acht großen Augenkliniken und 16 Notaufnahmen (Tagesschau).
- • Die iranische Justiz betonte laut Tagesschau, es habe bislang keine Todesurteile im Zusammenhang mit den Protesten gegeben; Verfahren seien „streng und langwierig“ und könnten Monate oder Jahre dauern.
- • US‑Präsident Donald Trump sagte laut Tagesschau, ein US‑Militärschlag sei auch deshalb ausgeblieben, weil der Iran die Hinrichtungen von 800 Demonstrierenden abgesagt habe; für diese Zahl gebe es keine bestätigte Quelle (Tagesschau).
- • Trump sprach sich laut Tagesschau zudem für einen Regierungswechsel im Iran aus („Zeit, einen neuen Anführer zu suchen“) und bezeichnete Chamenei als „kranken Mann“ (Tagesschau/Politico).
- • Irans Präsident Massud Peseschkian warnte laut Tagesschau, jeder Angriff auf Chamenei komme einer Kriegserklärung gleich („umfassender Krieg gegen die iranische Nation“) (Tagesschau).
- • Laut Tagesschau begannen die Proteste Ende Dezember im Zuge einer dramatischen Wirtschaftskrise und sehr hoher Inflation und entwickelten sich rasch zu politischen Protesten gegen das autoritäre System; der Sicherheitsapparat schlug sie gewaltsam nieder.
- • Laut BBC bleibt Satelliteninternet (u. a. Starlink) teils nutzbar: Einige Terminals seien trotz Störversuchen weiterhin in Betrieb, nachdem Firmware-Updates Blockaden umgingen; zudem habe Starlink Gebühren für iranische Nutzer erlassen (BBC).
Der seit dem 8. Januar andauernde Kommunikations-Blackout in Iran hält an und schneidet nach BBC-Angaben rund 92 Millionen Menschen weitgehend von Online-Diensten ab; teils kommt es auch zu Störungen bei Telefonie und SMS. Teheran rechtfertigt die Maßnahme mit angeblich von außen gesteuerten „terroristischen Operationen“. Gleichzeitig warnen Internetfreiheits-Beobachter, die Behörden könnten den Ausfall nutzen, um den Zugang zum internationalen Internet dauerhaft umzubauen – hin zu einem gestuften System, bei dem globaler Zugriff nur nach Registrierung und behördlicher Freigabe möglich wäre.
Neue politische Dynamik entsteht durch weitere Aussagen aus dem Umfeld der Proteste: Ein iranischer Regierungsvertreter nannte gegenüber Reuters erstmals eine offizielle Mindestzahl von mindestens 5.000 Todesopfern, darunter etwa 500 Sicherheitskräfte. Oberster Führer Ali Chamenei sprach ebenfalls von „mehreren Tausend“ Toten und machte die USA und Israel für die Unruhen mitverantwortlich. Unabhängige Überprüfung bleibt schwierig; Menschenrechtsorganisationen wie HRANA berichten (Stand 18. Januar) von über 3.300 bestätigten Toten und mehr als 24.000 Festnahmen, während die Sunday Times deutlich höhere, nicht verifizierte Schätzungen veröffentlicht. Die iranische Justiz betont, bislang gebe es keine Todesurteile im Zusammenhang mit den Protesten.
International verschärft sich zugleich der Ton: US-Präsident Donald Trump bekräftigte Warnungen an Teheran, wiederholte eine nicht belegte Behauptung über ausgesetzte Hinrichtungen und sprach sich für einen Regierungswechsel aus. Irans Präsident Massud Peseschkian reagierte mit der Warnung, jeder Angriff auf Chamenei käme einer Kriegserklärung gleich. Der anhaltende Blackout erschwert weiterhin unabhängige Berichterstattung – auch wenn Satelliteninternet wie Starlink laut BBC teils trotz Störversuchen genutzt werden kann.
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