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International 16.01.2026, 06:52 Aktualisiert: 16.01.2026, 16:14

Nach Brandkatastrophe in Crans-Montana: Kritik an Walliser Justiz wegen möglicher Ermittlungsfehler wächst

Bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans‑Montana in der Silvesternacht starben rund 40 junge Menschen; mehr als 100 wurden schwer verletzt.

Wichtige Fakten

  • Bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans‑Montana in der Silvesternacht starben rund 40 junge Menschen; mehr als 100 wurden schwer verletzt.
  • Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen die Besitzer der Bar; einer der beiden Beschuldigten befindet sich in Untersuchungshaft.
  • Opfervertreter kritisieren mögliche Versäumnisse in der Frühphase der Ermittlungen, unter anderem bei der Beweissicherung (z. B. seien Telefone der Betreiber nicht sofort beschlagnahmt worden).
  • Laut Bestätigung des italienischen Botschafters in Bern gegenüber der NZZ wurden sechs getötete Jugendliche aus Italien in der Schweiz nicht obduziert; italienische Behörden nahmen daraufhin selbst Obduktionen vor.
  • Nach Angaben des Anwalts Romain Jordan verdichten sich Hinweise, dass Obduktionen teils verspätet oder gar nicht angeordnet wurden; der „Blick“ berichtete über einen Fall, in dem eine Autopsie erst am Tag vor der Beerdigung angeordnet wurde und die Beisetzung verschoben werden musste.
  • Italien hat eigene Ermittlungen eingeleitet und will sich als Nebenklägerin am Schweizer Strafverfahren beteiligen; Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte öffentlich scharfe Kritik und stellte Fragen zu Evakuierung, Musikabschaltung und behördlichen Kontrollen.
  • Romain Jordan richtete ein Online‑Portal ein, über das Zeugen anonym Hinweise sowie Foto‑ und Videomaterial hochladen können.
  • Nach Aussagen Jordans signalisiert die Staatsanwaltschaft inzwischen Bereitschaft, Fehler zu korrigieren.
  • Nach der Brandkatastrophe hat der Gemeinderat von Crans‑Montana Fehler eingeräumt.
Nach der Feuerkatastrophe in der Bar „Le Constellation“ im Walliser Skiort Crans‑Montana, bei der in der Silvesternacht rund 40 junge Menschen starben und mehr als 100 schwer verletzt wurden, wächst die Kritik an den Walliser Behörden. Der Genfer Anwalt Romain Jordan, der mehrere Opferfamilien vertritt, spricht von einem schlecht gestarteten Strafverfahren und sieht Versäumnisse bei der Beweissicherung – etwa weil Mobiltelefone der Betreiber nicht umgehend beschlagnahmt worden seien. Besonders umstritten ist die gerichtsmedizinische Aufarbeitung: Laut Berichten verdichten sich Hinweise, dass zumindest einige Opfer zunächst nicht obduziert wurden, weil entsprechende Anordnungen der Staatsanwaltschaft fehlten oder erst spät erfolgten. Der italienische Botschafter in Bern bestätigte der NZZ, dass sechs italienische Todesopfer in der Schweiz nicht obduziert wurden; italienische Behörden führten daraufhin eigene Autopsien durch, um Todesursachen und den Ablauf – etwa Ersticken, Verbrennungen oder mögliche Todesfälle durch Gedränge – präziser zu klären. Der „Blick“ berichtete zudem von einem Fall, in dem eine Autopsie erst am Tag vor der Beerdigung angeordnet worden sei, was eine Verschiebung der Beisetzung ausgelöst habe. Parallel steigt der Druck aus Italien: Ministerpräsidentin Giorgia Meloni stellte öffentlich Fragen zu Evakuierung, Musikabschaltung und Kontrollen durch die Gemeinde. Italien hat eigene Ermittlungen eingeleitet und will sich als Nebenklägerin am Schweizer Verfahren beteiligen. Gegen die Besitzer der Bar wird weiterhin wegen fahrlässiger Tötung ermittelt; einer der beiden Beschuldigten sitzt in Untersuchungshaft. Jordan sammelt zudem Hinweise über ein Online‑Portal für Zeugen. Laut ihm zeigt sich die Staatsanwaltschaft inzwischen bereit, Fehler zu korrigieren – ob dies die offenen Fragen zur Brandursache und zum Ablauf klärt, bleibt abzuwarten.

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