Hamas-Wahlen: Neue Führung entscheidet über Bewegungsexistenz und Gaza-Zukunft
Wichtige Fakten
- • Hamas-Mitglieder wählen Delegierte für 50-köpfiges Shura Council.
- • Khalil al-Hayya und Khaled Meshaal gelten als aussichtsreichste Kandidaten.
- • Neuer Führer muss über Abrüstung und US-Friedensplan entscheiden.
- • Wahlen finden unter strenger Geheimhaltung wegen Attentatsgefahr statt.
- • Hamas baut Verwaltung in Gaza wieder auf und kassiert Steuern.
Wahlprozess und Kandidaten
Die palästinensische Organisation Hamas hat mit der Wahl einer neuen Führung begonnen, die über die künftige Existenz der Bewegung entscheiden wird. Mitglieder in Gaza, dem Westjordanland, israelischen Gefängnissen und der Diaspora wählen Delegierte für das 50-köpfige Shura Council, das wiederum das Politbüro und einen neuen Übergangsführer bestimmt. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Khalil al-Hayya, der als Hardliner und Iran-naher Erbe des getöteten Gaza-Führers Yahya Sinwar angesehen wird, und Khaled Meshaal, ein Gründungsmitglied und pragmatischer Veteran mit Verbindungen zu Katar und der Türkei.
Entscheidungen und Herausforderungen
Der neue Führer wird vor entscheidenden Fragen stehen: Wie weit soll mit dem US-gesponserten Friedensplan von Donald Trump kooperiert werden, der die Entwaffnung von Hamas und eine Übernahme Gazas durch ein unabhängiges Technokratenkomitee (NCAG) vorsieht? Soll die Bewegung in eine neue Gaza-Regierung eingebunden werden oder in den politischen Hintergrund treten? Berichten zufolge wäre Hamas bereit, schwere Waffen wie Raketen abzugeben, lehnt aber die Abgabe persönlicher Schusswaffen zur Selbstverteidigung ab. Die Wahlen finden unter strengster Geheimhaltung statt, da jeder identifizierte Führungskandidat auf israelischen Todeslisten steht.
Kontext und Auswirkungen
Die Wahl erfolgt nach der Dezimierung der Hamas-Führung durch israelische Angriffe, bei denen neben Sinwar und Mohammed Deif auch der stellvertretende Führer Saleh al-Arouri und der politische Leiter Ismail Haniyeh getötet wurden. Trotz der Verluste baut Hamas ihre Organisation in Gaza wieder auf, ersetzt Beamte in Ministerien und kassiert Steuern auf eingeführte Güter. Experten wie Michael Milshtein sehen in Meshaal einen Befürworter einer politischen Einigung mit Israel und Versöhnung mit der Palästinensischen Autonomiebehörde, während al-Hayya eine härtere Linie vertritt. Die Entscheidung wird richtungsweisend für die Bewegung und die Nachkriegsordnung in Gaza sein.
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