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Trumps Gaza-„Friedensrat“: Neue Gremienstruktur, kaum israelische Beteiligung und wachsende Kritik wegen Türkei/Katar
Donald Trump ist Vorsitzender des neu geschaffenen internationalen Gaza-„Friedensrates“ („Board of Peace“).
Wichtige Fakten
- • Donald Trump ist Vorsitzender des neu geschaffenen internationalen Gaza-„Friedensrates“ („Board of Peace“).
- • Zum engen Kreis gehören laut Berichten US-Außenminister Marco Rubio, Jared Kushner und Trumps Sondergesandter Steve Witkoff; außerdem der ehemalige britische Premier Tony Blair.
- • Trump soll Regierungschefs aus rund 60 Ländern eingeladen haben; laut Berichten gehören dazu u. a. Türkei, Katar, Ägypten sowie Deutschland, Großbritannien und Frankreich.
- • Das Weiße Haus hat unter dem „Board of Peace“ mehrere Gremien offiziell gemacht: ein hochrangiges „Founding Executive Board“ (Fokus Investitionen/Diplomatie) sowie ein „Gaza Executive Board“ für die operative Steuerung vor Ort; dieses überwacht zudem die Arbeit eines weiteren Verwaltungsgremiums, des „National Committee for the Administration of Gaza“ (NCAG).
- • Im „Gaza Executive Board“ sind u. a. der türkische Außenminister Hakan Fidan und der katarische Diplomat Ali al‑Thawadi vertreten; nach BBC ist bislang der einzige israelische Vertreter Yakir Gabay (israelisch geboren, heute Unternehmer mit Sitz in Zypern).
- • Nach BBC sind in den beiden senioren Gremien bislang keine Palästinenser vertreten.
- • Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte, Teile der Besetzung seien nicht mit Israel abgestimmt und stünden im Widerspruch zur israelischen Politik; er wies Außenminister Gideon Sa’ar an, dazu Kontakt mit US-Außenminister Marco Rubio aufzunehmen und berief ein Treffen mit Spitzenberatern/Koalitionspartnern ein.
- • Oppositionsführer Yair Lapid bezeichnete die Einbindung von Türkei und Katar als Sicherheitsrisiko und als „diplomatisches Versagen“; er schlägt vor, Ägypten solle Gaza 15 Jahre lang verwalten.
- • Aus der israelischen Regierungskoalition kommt scharfer Widerstand: Finanzminister Bezalel Smotrich fordert statt internationaler Nachkriegsverwaltung eine israelische Militärregierung in Gaza sowie die Förderung von „Immigration und Siedlung“; Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir erklärte, Gaza brauche keine Verwaltungskomitees, sondern müsse von Hamas-Kämpfern „gesäubert“ werden.
- • Als Kontaktperson des Friedensrates zur palästinensischen Übergangsverwaltung vor Ort ist weiterhin der frühere UN-Gesandte Nikolaj Mladenow vorgesehen; er gilt als in arabischen Staaten akzeptiert und bekennt sich zur Zweistaatenlösung.
- • Die USA erklärten, Phase zwei des Waffenruhe-/Truce-Plans habe begonnen: Der Schwerpunkt verschiebt sich auf Entwaffnung der Hamas, Übergangsregierung und Wiederaufbau; die Umsetzung gilt als schwierig, da Hamas eine Entwaffnung ablehnt.
- • Der palästinensische technokratische Ausschuss zur Übergangsverwaltung hielt seine erste Sitzung in Kairo ab.
- • Ein von Reuters/Bloomberg berichteter Charter-Entwurf sieht vor: Mitgliedstaaten können ohne Zahlung für drei Jahre teilnehmen; wer länger als drei Jahre Mitglied sein will, soll innerhalb des ersten Jahres 1 Mrd. US-Dollar in bar beisteuern.
- • Die UN warnte laut BBC, die humanitäre Krise sei „bei weitem nicht vorbei“; nach UN-Schätzung sind rund 80% der Gebäude in Gaza zerstört oder beschädigt, Winterwetter verschärft die Lage.
- • Seit Inkrafttreten der Waffenruhe im Oktober wurden laut Guardian mindestens 451 Palästinenser getötet; zudem meldete das palästinensische Gesundheitsministerium weitere Todesfälle durch Kälte (u. a. ein 27 Tage altes Baby; insgesamt acht Kinder durch Unterkühlung in dieser Wintersaison).
Der von Donald Trump geführte internationale Gaza-„Friedensrat“ soll nach einem Kriegsende den politischen Übergang im Gazastreifen, eine palästinensische Übergangsverwaltung, eine internationale Sicherheitstruppe, den Rückzug israelischer Soldaten und den Wiederaufbau koordinieren. Neben Trumps Vertrauten – Außenminister Marco Rubio, Jared Kushner und Sondergesandtem Steve Witkoff – wird auch Ex-Premier Tony Blair in Zusammenhang mit dem Vorhaben genannt; Einladungen gingen laut Berichten an Regierungschefs aus rund 60 Ländern, darunter Türkei, Katar, Ägypten sowie Deutschland, Großbritannien und Frankreich.
Neu konkretisiert wurde die Struktur: Laut BBC wurden unter dem „Board of Peace“ zwei senioren Gremien offiziell gemacht – ein „Founding Executive Board“ mit Schwerpunkt Investitionen und Diplomatie sowie ein „Gaza Executive Board“, das die Arbeit vor Ort steuern und ein weiteres Verwaltungsgremium (NCAG) beaufsichtigen soll. Im „Gaza Executive Board“ sitzen u. a. der türkische Außenminister Hakan Fidan und der katarische Diplomat Ali al‑Thawadi; nach BBC ist bislang nur ein Israeli, der Unternehmer Yakir Gabay, vertreten, Palästinenser sind demnach in den Spitzenboards nicht dabei.
Gerade die Einbindung von Türkei und Katar stößt in Israel auf wachsenden Widerstand. Netanjahu kritisierte fehlende Abstimmung und einen Widerspruch zur israelischen Politik und ließ seinen Außenminister Kontakt zu Rubio aufnehmen; zudem berief er Beratungen mit Koalitionspartnern ein. Oppositionsführer Yair Lapid sprach von einem Sicherheitsrisiko und einem „diplomatischen Versagen“ und erneuerte seinen Vorschlag, Ägypten solle Gaza 15 Jahre verwalten. Aus der Regierungskoalition kamen ebenfalls scharfe Reaktionen: Finanzminister Bezalel Smotrich forderte statt einer internationalen Nachkriegsverwaltung eine israelische Militärregierung in Gaza sowie die Förderung von „Immigration und Siedlung“, Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir verlangte, Gaza müsse von Hamas-Kämpfern „gesäubert“ werden.
Parallel erklärten die USA, Phase zwei des Waffenruheplans habe begonnen – mit Fokus auf Entwaffnung der Hamas, Übergangsregierung und Wiederaufbau. Die humanitäre Lage bleibt jedoch prekär: Die UN warnt, die Krise sei nicht vorbei, und Winterstürme verschärfen die Situation. Zudem wurde weiterhin von Toten seit Inkrafttreten der Waffenruhe sowie von weiteren Kältetoten berichtet. Als Ansprechpartner des Friedensrates vor Ort ist weiterhin der frühere UN-Gesandte Nikolaj Mladenow vorgesehen, der als in arabischen Staaten akzeptiert gilt und sich zur Zweistaatenlösung bekennt – ein weiterer potenzieller Konfliktpunkt mit Israels rechter Regierung.
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