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International 19.01.2026, 02:10 Aktualisiert: 19.01.2026, 20:03

Grönland-Streit: Trumps Zollpläne spalten Republikaner – EU prüft Gegenzölle und „Handels-Bazooka“

US-Präsident Donald Trump kündigte im Grönland-Streit Strafzölle gegen acht europäische NATO-Staaten an, die Dänemark unterstützen; ab 1. Februar sollen 10% gelten, ab 1. Juni könnten sie auf 25% steigen (tagesschau.de).

Wichtige Fakten

  • US-Präsident Donald Trump kündigte im Grönland-Streit Strafzölle gegen acht europäische NATO-Staaten an, die Dänemark unterstützen; ab 1. Februar sollen 10% gelten, ab 1. Juni könnten sie auf 25% steigen (tagesschau.de).
  • Trump begründet die Grönland-Politik mit nationaler Sicherheit; zuvor hatte er im Weißen Haus angedeutet, Länder bei fehlender Unterstützung in der Grönland-Frage mit Zöllen „bestrafen“ zu wollen (tagesschau.de).
  • Aus den Reihen der Republikaner kommt scharfe Kritik: Don Bacon nannte die Drohungen gegen Verbündete „unmoralisch“ und warnte, eine Invasion Grönlands könne Trumps Präsidentschaft politisch beenden (tagesschau.de/CNN).
  • Senator Rand Paul wies eine mögliche Berufung auf Notstandsbefugnisse als „lächerlich“ zurück und bezweifelte einen „echten Notstand“ im Zusammenhang mit Grönland (tagesschau.de).
  • Der republikanische Abgeordnete Michael McCaul verwies auf das Verteidigungsabkommen USA–Dänemark von 1951, das den USA bereits weitreichende militärische Freiheiten in Grönland einräumt (tagesschau.de/NBC).
  • US-Finanzminister Scott Bessent verteidigte Trumps Linie und argumentierte, Grönland könne nur als Teil der USA dauerhaft verteidigt werden; dies solle Konflikte verhindern und China sowie Russland in der Arktis abschrecken (tagesschau.de/NBC).
  • Trump nannte keine klare Rechtsgrundlage für die neuen Zölle; der Oberste Gerichtshof der USA prüft, ob der Präsident Zölle dauerhaft allein über Notstandsbefugnisse verhängen darf – eine Entscheidung könnte bald, teils noch in dieser Woche, fallen (tagesschau.de).
  • Die EU will reagieren; über mögliche Schritte könnten die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag bei einem EU-Sondergipfel entscheiden. Im Raum steht ein Gegenzoll-Paket von mehr als 93 Milliarden Euro (u.a. Whisky, Flugzeugteile, Hühnchen) (tagesschau.de).
  • EU-Ratspräsident António Costa erklärte, die Mitgliedstaaten seien sich einig, dass Zölle die transatlantischen Beziehungen untergraben und mit dem EU-USA-Handelsabkommen unvereinbar seien; die EU sei bereit, sich gegen „Zwang“ zu verteidigen (tagesschau.de).
  • Das Europaparlament nahm das EU-USA-Handelsabkommen von der Tagesordnung; EVP-Fraktionschef Manfred Weber bestätigte die Verschiebung der Ratifizierung auf unbestimmte Zeit (tagesschau.de/BR).
  • In Brüssel gewinnt das Anti-Coercion Instrument (ACI, „Anti-Zwangsinstrument“/„Handels-Bazooka“) an Bedeutung; Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will nach Angaben aus seinem Umfeld die Aktivierung beantragen (tagesschau.de).
  • Das ACI ist seit 27. Dezember 2023 in Kraft und wurde bislang nie angewendet; es erlaubt u.a. Gegenzölle, Einschränkungen beim Marktzugang, Ausschluss von öffentlichen Aufträgen, Exportkontrollen sowie selektive Besteuerung (z.B. von Tech-Unternehmen). Für Maßnahmen reicht im EU-Rat eine qualifizierte Mehrheit (tagesschau.de).
  • Einige EU-Staaten zeigen sich zurückhaltend: Irlands Premier Micheál Martin hält es für „zu früh“ für einen ACI-Einsatz und plädiert zunächst für Dialog (tagesschau.de).
  • An den Märkten belastete der „Zoll-Schock“ vor allem Autoaktien: BMW verlor zeitweise bis zu 4,3%, auch Mercedes-Benz, Volkswagen, Porsche und Continental gerieten unter Druck; der DAX lag am frühen Nachmittag rund 1,2% im Minus und rang um 25.000 Punkte (tagesschau.de).
  • Die Wall Street blieb am Montag wegen des Martin-Luther-King-Day geschlossen (tagesschau.de).
  • NATO-Generalsekretär Mark Rutte telefonierte am Sonntag mit Trump zur Sicherheitslage in Grönland und der Arktis und will ihn beim Weltwirtschaftsforum in Davos treffen (tagesschau.de).
  • Neu: Die dänische Regierung erklärte sich mehrfach damit einverstanden, dass die USA ihre Militärbasen auf Grönland ausbauen; Kopenhagen verweist zugleich darauf, dass die USA ihre Präsenz dort selbst deutlich reduziert hätten (tagesschau.de).
  • Neu: Bundesaußenminister Johann Wadephul kündigte eine europäische Antwort an und betonte die Solidarität Europas mit Dänemark und Grönland (tagesschau.de).
  • Neu: In der EU werden neben Zöllen auch Maßnahmen gegen US-Digitalkonzerne (Digitalabgabe/steuerliche Schritte) wieder stärker diskutiert (tagesschau.de).
US-Präsident Donald Trump treibt die Eskalation im Streit um Grönland voran und kündigte am Wochenende Strafzölle gegen acht europäische NATO-Staaten an, die Dänemark unterstützen. Ab dem 1. Februar sollen demnach 10 Prozent gelten, ab dem 1. Juni könnte der Satz auf 25 Prozent steigen. Bereits zuvor hatte Trump im Weißen Haus angedeutet, Länder in der Grönland-Frage mit Zöllen „bestrafen“ zu wollen – mit der Begründung, die USA bräuchten Grönland für ihre nationale Sicherheit. In Washington stößt der Kurs selbst bei Republikanern auf deutliche Ablehnung. Der Abgeordnete Don Bacon sprach von „unmoralischen“ Drohungen gegen Verbündete und warnte, eine Invasion Grönlands könne Trumps Präsidentschaft politisch beenden. Senator Rand Paul kritisierte eine mögliche Berufung auf Notstandsbefugnisse als „lächerlich“. Gleichzeitig verteidigt Finanzminister Scott Bessent die Linie des Präsidenten: Grönland könne nur als Teil der USA dauerhaft verteidigt werden und solle China sowie Russland in der Arktis abschrecken. Unklar bleibt weiterhin die Rechtsgrundlage – der Supreme Court prüft, ob der Präsident Zölle dauerhaft im Alleingang über Notstandsbefugnisse verhängen darf; eine Entscheidung wird bald erwartet. In Brüssel bereitet sich die EU auf Gegenmaßnahmen vor und will Geschlossenheit demonstrieren – auch mit Blick auf Mitgliedstaaten, die nicht direkt betroffen sind. Ein Paket möglicher Gegenzölle im Umfang von mehr als 93 Milliarden Euro steht im Raum; entschieden werden könnte darüber am Donnerstag bei einem EU-Sondergipfel. Zudem rückt das Anti-Coercion Instrument („Handels-Bazooka“) in den Fokus: Frankreichs Präsident Macron will nach Angaben aus seinem Umfeld die Aktivierung beantragen. In der EU wird darüber hinaus wieder intensiver über Schritte gegen US-Digitalkonzerne, etwa eine Digitalabgabe, diskutiert. Politisch hat das Europaparlament bereits reagiert und die Ratifizierung des EU-USA-Handelsabkommens auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Eskalation zeigt auch Marktfolgen: Im DAX gerieten vor allem Autowerte stark unter Druck (BMW zeitweise bis zu -4,3%), während der Index insgesamt um rund 1,2 Prozent fiel und um die Marke von 25.000 Punkten rang. Eine unmittelbare Reaktion aus den USA blieb aus, da die Wall Street wegen des Martin-Luther-King-Day geschlossen war. Diplomatisch richten sich die Erwartungen nun auf Davos, wo Trump unter anderem NATO-Generalsekretär Mark Rutte treffen will, nachdem beide bereits zur Sicherheitslage in Grönland und der Arktis telefoniert hatten.

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